TikTok & Co.: Booster für Alkoholkonsum bei Jugendlichen?
Erfreulich: So wenige jugendliche Rauschtrinker im Krankenhaus wie nie – Riskant: Einfluss sozialer Medien
Hannover, 29.01.2026
Die Fälle von exzessivem Alkoholkonsum bei Heranwachsenden sind das fünfte Mal infolge auf ein Rekordtief gesunken: Laut Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse wurden 2024 bundesweit hochgerechnet rund 6.550 Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren wegen einer akuten Alkoholvergiftung in einer Klinik behandelt. Dies entspricht 120 Fällen je 100.000 Einwohner in dieser Altersgruppe. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang von gut 14 Prozent (140 Betroffene je 100.000 Jugendliche) und im Fünfjahresvergleich sogar ein Minus von 62,5 Prozent (320 Betroffene pro 100.000). Damit sind die Fälle von exzessivem, stationär behandeltem Alkoholkonsum bei Heranwachsenden auf den niedrigsten Stand seit Beginn der KKH-Erhebung im Jahr 2006 gesunken. Zum Vergleich: Den Höchstwert registrierte die KKH im Jahr 2012 mit insgesamt hochgerechnet rund 20.530 Fällen, also 370 Betroffenen je 100.000 Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren.
„Wenn weniger Heranwachsende wegen einer Alkoholvergiftung in der Notaufnahme landen, ist das zunächst einmal ein gutes Zeichen. Das heißt aber nicht, dass Jugendliche insgesamt deutlich weniger Alkohol trinken, sondern erst einmal nur, dass ein Rausch nicht zwingend mit einer Blaulichtfahrt ins Krankenhaus enden muss“, erläutert KKH-Psychologin Franziska Klemm. Zudem sind die Scham und die Sorge vor den Konsequenzen oft zu groß, um in solchen Situationen einen Krankenwagen zu rufen. Die Dunkelziffer der jugendlichen Rauschtrinker dürfte also nach wie vor hoch sein, und die Gesundheitsrisiken gerade für Heranwachsende bleiben. „Deshalb dürfen wir in der Alkoholprävention nicht nachlassen. Die KKH beispielsweise setzt sich schon seit Langem dafür ein, Jugendliche möglichst früh und ohne erhobenen Zeigefinger im Rahmen von Schulworkshops über die Gefahren von Alkohol aufzuklären“, sagt Klemm.
Einen starken Einfluss auf das Konsumverhalten Heranwachsender haben mittlerweile soziale Medien: Früher schaute man sich das Trinkverhalten anderer auf Partys ab, heute hauptsächlich beim Surfen im Netz. Auf TikTok, Instagram & Co. finden Jugendliche nicht nur Angebote zu Beauty, Gaming und Sport, sondern auch Bilder und Videos von sogenannten Drugfluencer:innen, in denen der Konsum von Alkohol und weiteren gefährlichen Trends wie etwa Nikotinbeuteln im Vordergrund stehen. Die auch als Pouches oder Nicopods bekannten Tütchen enthalten ein Pulver aus Nikotinsalzen und Trägerstoffen und werden zwischen Oberlippe und Zahnfleisch gesteckt. Sie sind im Gegensatz zu herkömmlichen Zigaretten zudem tabakfrei, geruchlos und qualmen nicht. Das erweckt nicht nur den Anschein eines unbedenklicheren Konsums, sondern ermöglicht auch den heimlichen Kick an der Spielkonsole im Kinderzimmer, auf dem Schulhof oder in der Umkleidekabine nach dem Sport. Oft unterschätzt: die Suchtgefahr, denn ein Beutelchen kann mitunter viermal so viel Nikotin wie eine Zigarette enthalten.
Besonders kritisch: Der Konsum solcher Drogen wird in Social-Media-Posts häufig bagatellisiert, als sozial förderlich und erstrebenswert dargestellt. Solche unkritischen und unreflektierten Darstellungen von riskantem Konsumverhalten können die psychische und physische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen einmal mehr gefährden. „Deshalb ist es umso wichtiger, Heranwachsende stark für den Umgang mit sämtlichen Suchtmitteln zu machen. Dazu gehören zum einen die Aufklärung über die Gefahren von Alkohol und immer wieder neuen Trends wie beispielsweise Nikotinbeuteln, zum anderen aber auch der Umgang mit sozialen Medien“, betont Franziska Klemm. Die KKH hält diverse Präventionsprogramme für Kinder und Jugendliche bereit, um sie in ihrer persönlichen Entwicklung und ihrer psychischen Gesundheit zu stärken, ihre sozialen Kompetenzen zu fördern und einem Risikoverhalten vorzubeugen: Präventionsprogramme in der Schule | KKH.
Hintergrundinformationen
Die KKH hat Daten ihrer 12- bis 18-jährigen Versicherten zum stationären Krankenhausaufenthalt aufgrund einer akuten Alkoholintoxikation (F10.0 nach ICD-10) ausgewertet und diese anhand von Daten des Statistischen Bundesamtes auf die Bevölkerungszahlen dieser Altersgruppe hochgerechnet.
Als Rauschtrinken wird der Konsum von fünf oder mehr Gläsern alkoholischer Getränke zu einer Trinkgelegenheit, beispielsweise einer Party, bezeichnet. Diese Menge entspricht dem Konsum von etwa 70 Gramm Reinalkohol. Nach dem aktuellen Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt es keine sichere Alkoholmenge für einen unbedenklichen Konsum mehr: DGE-Position_Alkohol_EU_2024_10.pdf.
Mit gut 1,5 Millionen Versicherten, einem Haushaltsvolumen von rund 8,2 Milliarden Euro und rund 4.000 Mitarbeitenden zählt die KKH Kaufmännische Krankenkasse als eine der größten bundesweiten Krankenkassen zu den leistungsstarken Trägern der gesetzlichen Krankenversicherung. Nähere Informationen erhalten Sie unter kkh.de/presse/portraet.
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