Den richtigen Entbindungsort für die Geburt Ihres Kindes zu wählen ist besonders wichtig, wenn Sie eine Risikoschwangerschaft haben oder die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen erhöht ist. Die sogenannten Perinatalzentren (Versorgungsstufe 1 bis 3) sind besonders spezialisiert, was die Versorgung und Behandlung vor und während der Geburt betrifft.
Schwangere, bei denen keine Komplikationen zu erwarten sind, können ab der 37. Schwangerschaftswoche (36+0) beispielsweise in einer Geburtsklinik (Versorgungsstufe 4) entbinden. Dabei handelt es sich um ein Krankenhaus mit Geburtsstation, jedoch ohne spezialisierte Ausstattung wie einer eigenen Kinderstation.
Im Jahr 2021 wurde etwa jedes zehnte Kind in einer Geburtsklinik geboren, obwohl eine Geburt in einem spezialisierten Perinatalzentrum medizinisch sinnvoller gewesen wäre. Dies zeigt, wie wichtig die Wahl der passenden Klinik sein kann, um Notfallsituationen unter der Geburt zu vermeiden und die Sicherheit für Mutter und Kind zu verbessern.
Geburtseinrichtungen unterscheiden sich im Grad ihrer Spezialisierung und sind in vier verschiedene Level/Versorgungsstufen eingeteilt. Die sogenannten Perinatalzentren sind auf die Versorgung von Schwangeren, Früh- und Neugeborenen spezialisiert. Daher haben sie in der Regel eine Intensivstation für Neugeborene im selben Gebäude.
- Höchste Versorgungsstufe mit Behandlung aller vier Versorgungsstufen
- Behandlung von erwarteten Frühgeborenen mit einem Gewicht unter 1250 g oder ab der SSW 29+0
- Für Drillinge (und größere Mehrlingsgeburten) unter der SSW 33+0
- Für Geburten, bei denen unmittelbar eine spezialisierte intensivmedizinische Versorgung des Neugeborenen absehbar ist
- Für Neugeborene mit Verdacht auf angeborene Fehlbildungen (z.B. kritische Herzfehler, Zwerchfellhernien, Meningomyelozelen, Gastroschisis)
- Behandelt Versorgungsstufen 2,3 und 4
- Behandlung von erwarteten Frühgeborenen mit einem geschätzten Geburtsgewicht von 1250 g bis 1499 g oder für Geburten zwischen SSW 29+0 bis SSW 31+6
- Für Schwangere mit schweren Erkrankungen wie beispielsweise dem HELLP-Syndrom, das auch als Schwangerschaftsvergiftung bezeichnet wird und sowohl für Mutter als auch Kind schnell lebensbedrohlich werden kann
- Das Baby ist deutlich zu klein (Wachstumskurve unterhalb des 3. Perzentils)
- Für Schwangere mit insulinpflichtiger diabetischer Stoffwechselstörung, sofern eine Gefahr für das Baby besteht
- Behandelt Versorgungsstufen 3 und 4
- Behandlung von erwarteten Frühgeborenen mit einem geschätzten Geburtsgewicht von mindestens 1500 g oder für Geburten zwischen SSW 32+0 bis SSW 35+6
- Für Babys mit Wachstumsverzögerung und damit voraussichtlich zu geringem Geburtsgewicht (zwischen dem 3. und 10. Perzentil auf das bezogene Geburtsgewicht)
- Für Schwangere mit insulinpflichtiger diabetischer Stoffwechselstörung, sofern eine Gefahr für das Baby besteht
- Ab SSW 36+0 ohne zu erwartende Komplikationen
Unter perinatalzentren.org können Sie über Ihre Postleitzahl geeignete Kliniken mit dem Level 1 und 2 finden.
Zu den häufigen Risikofaktoren zählen Schwangere
- mit Mehrlingen,
- ab 35 Jahren,
- mit Vorerkrankungen (z. B. Diabetes, Bluthochdruck),
- die bereits Komplikationen in vorherigen Schwangerschaften hatten.
Risikosituationen können sich auch erst während der Schwangerschaft oder spontan unter der Geburt entwickeln. Dazu gehören zum Beispiel die Beckenendlage, wenn Ihr Baby zum Ende hin mit den Füßen nach unten liegt, oder eine Plazentablösung. Das Team aus Hebammen und Ärzten einer Geburtsklinik ist für spontan eintretende Notfälle geschult.
Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrer gynäkologischen Praxis und fragen Sie nach, ob bei Ihnen Risikofaktoren bestehen. In diesem Fall wird Ihnen vielleicht sogar eine Geburtsklinik beziehungsweise ein Perinatalzentrum empfohlen.
Sie haben sich bereits für eine Geburtsklinik entschieden? Dann erkundigen Sie sich, was in einem Notfall passieren würde. Könnten Sie oder Ihr Baby schnell verlegt werden und wo wäre die nächste Klinik mit intensivmedizinischer Versorgung? Viele Geburtskliniken bieten Informationsveranstaltungen an. Dort können Sie konkret nachfragen und oftmals schon einen Kreißsaal besichtigen.
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