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  • Franziska Klemm: „Das Gespräch suchen“

    Franziska Klemm, 29, Psychologin bei der KKH, über die Möglichkeiten von Eltern, gestressten Kindern zu helfen.

    Frau Klemm, kann man seine Kinder tatsächlich vor Stress beschützen?

    Herausforderungen wie Stress gehören zum Leben dazu. Sie sind nicht nur Hürde, sondern auch Chance, sich zu beweisen und die eigenen Fähigkeiten auszuloten. Das Leben zu meistern, ist eine Kompetenz, die man erst erlernen muss.

    Was raten Sie Eltern, wenn ihr Kind gestresst ist oder gar depressiv wirkt?

    Sie sollten auf jeden Fall das Gespräch suchen – und sich nicht abwimmeln lassen. Es ist wichtig, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Nur so können Lösungen gefunden werden. 

    Was können Mütter und Väter tun, wenn sie damit keinen Erfolg haben?

    Auch Eltern müssen schwierige Situationen nicht allein bewältigen. Hilfe und Unterstützung finden sie zum Beispiel bei Erziehungsberatungsstellen.

  • Erich Balser: „Keine Einschränkung der Selbstverwaltung“
    balser-interview

    Mit dem von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf den Weg gebrachten „Faire-Kassenwahl-Gesetz“ (GKV-FKG) soll die ehrenamtliche Selbstverwaltung im GKV-Spitzenverband abgeschafft und durch hauptamtliche Vertreter der Kassen ersetzt werden. Im Gespräch nimmt der Vorsitzende des Verwaltungsrats der KKH Erich Balser Stellung zu den Planspielen in Berlin.

    Herr Balser, der Referentenentwurf für das „Faire-Kassenwahl-Gesetz“ greift Reformvorschläge der Ersatzkassen auf, die seit Jahren gefordert werden. Eigentlich müsste Ihre Laune doch sehr gut sein. Warum ist dies nicht der Fall?

    Es stimmt: Angesichts der vielen richtigen Reformvorschläge in Bezug auf den Finanzausgleich zwischen den Kassen und im Hinblick auf das Vorhaben, für alle Krankenkassen eine bundesweit einheitliche Aufsicht einzurichten, müsste meine Laune ganz gut sein. Dass dies aber nicht der Fall ist, liegt an den Plänen des Bundesgesundheitsministers zur sozialen Selbstverwaltung. So sieht der Gesetzentwurf vor, den Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbands nicht mehr mit ehrenamtlichen Versicherten- und Arbeitgebervertretern zu besetzen. An deren Stellen sollen „hauptamtlich tätige Vorstandsmitglieder der Mitgliedskassen“ treten.

    Was ist dabei der Hauptkritikpunkt?

    Die geplante Zusammensetzung des Verwaltungsrats des GKV-Spitzenverbandes durch hauptamtliche Vorstände der Krankenkassen geht eindeutig zulasten der demokratisch legitimierten Selbstverwaltung. Ein in der Praxis funktionierendes System wird ohne erkennbaren Grund verändert und nach den persönlichen Vorstellungen des Bundesgesundheitsministers neu geformt – statt am Erfolgsprinzip der ehrenamtlichen Selbstverwaltung festzuhalten.

    Aber sind Veränderungen nicht manchmal auch notwendig, um ein System besser zu machen?

    Grundsätzlich ja. Hier ist es aber so, dass die ehrenamtliche Selbstverwaltung zu den tragenden Säulen der deutschen Sozialversicherung zählt. Sie ist das Erfolgsmodell der gesetzlichen Krankenversicherung, welches weltweit seinesgleichen sucht. Dabei kommt der von politischen Einflüssen unabhängigen Zusammenarbeit zwischen Vertretern des Gesundheitswesens und Vertretern der Beitragszahler – also den in den Sozialwahlen gewählten Selbstverwaltern – eine bedeutende Rolle zu. Mit der geplanten Neubesetzung setzt der Gesetzgeber dieses erfolgreiche Wirken und den sozialen Frieden der Sozialpartner ohne Grund aufs Spiel. Das darf nicht sein.

    Was wollen Sie unternehmen?

    Die Verwaltungsratsmitglieder der KKH und die Mitglieder der im Verband der Ersatzkassen vdek vertretenen anderen Ersatzkassen sind sich einig, dass der Gesetzgeber hier einen weiteren Schritt vollziehen möchte, die über die Selbstverwaltung abgesicherten demokratisch legitimierten Mitbestimmungsrechte zur Gestaltung des deutschen Gesundheitswesens abzuschaffen. Es dürfen hier keine weiteren Einschränkungen der Selbstverwaltung erfolgen. Deshalb kann es nur eine Antwort geben: Die vorgesehenen Regelungen dürfen nicht eingeführt werden.

    Um unserer Forderung Nachdruck zu verleihen, haben alle Verwaltungsratsvorsitzenden der Ersatzkassen Ende Juni gemeinsam einen offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Spahn verfasst und ihn gebeten, es bei der Besetzung des Verwaltungsrats des GKV-Spitzenverbandes durch ehrenamtliche Selbstverwalter zu belassen.

  • Dr. med. Christian Peter Dogs: „Rauslassen!“
    dogs-interview

    Dr. med. Christian Peter Dogs, 66, ist Facharzt für Psychiatrie und Psychosomatik und Autor des „Spiegel“-Bestsellers „Gefühle sind keine Krankheit – Warum wir sie brauchen und wie sie uns zufrieden machen“ (Ullstein-Verlag).

    Herr Dr. Dogs, der Titel Ihres Buches suggeriert, dass Gefühle von vielen als Krankheit betrachtet werden. Ist das so?

    Ja, wir haben seit Jahren eine unheilvolle Tendenz, bestimmte Gefühle und Befindlichkeiten zu Krankheiten zu erklären. So etwa die soziale Phobie. Das ist aber oft keine Krankheit, denn Betroffene sind einfach nur unsicher, wenn sie auf neue Situationen treffen oder das andere Geschlecht ansprechen. Oder sie sind einfach nur schüchtern und introvertiert.

    Warum werden denn Ihrer Meinung nach bestimmte Gefühle zu Krankheiten erklärt?

    Weil dadurch die Kliniken voll belegt sind, die ambulanten Therapeuten vergleichsweise unkomplizierte Patienten haben und die Pharmaindustrie noch mehr Umsatz macht. Die Krux ist: Die echten, schwer kranken Patienten kriegen oft keinen Therapieplatz, weil Privatpatienten und solche mit leichten psychischen Störungen die Plätze blockieren. Man kann kurz und knackig behandeln und dabei sogar größere Erfolge haben. Abgesehen davon sollte man Betroffene nicht komplett, sondern nur teilweise krankschreiben, damit sie im Arbeitsprozess bleiben, sich nicht kränker fühlen, als sie sind, und dadurch ihre Probleme noch ärger werden.

    Aber es gibt doch eindeutig negative Gefühle …

    Für mich gibt es keine positiven oder negativen Gefühle. Freude, Spaß gehören genauso dazu, wie traurig oder ängstlich zu sein. Nur wer das Unten kennt, kennt auch das Oben. Krisen zu bewältigen, gehört nicht nur auch dazu, sondern stärkt uns.

    Aber wie sollen wir mit diesem „Unten“ umgehen?

    Indem wir akzeptieren, dass wir auch traurig, ängstlich, wütend sein dürfen. Wir haben das Recht auf alle Gefühle. Zudem sollten wir aufhören, immer nur das Negative wahrzunehmen, und unsere Ansprüche zurückschrauben, vor allem die an uns selbst. Statt einem Idealbild von uns nachzulaufen und uns ständig mit anderen zu vergleichen, sollten wir uns so annehmen, wie wir sind.

    Was passiert, wenn wir Gefühle nicht zulassen?

    Wer sie ständig verdrängt, der riskiert, krank zu werden. Unterdrückte Gefühle sind häufig die Ursache für psychische Störungen wie Depressionen, Angststörungen und Essstörungen, aber auch für Bluthochdruck – etwa durch chronisch ungeklärte Konflikte. Und all diese Erkrankungen wirken bei Nichtbehandlung nachweislich lebensverkürzend.

    Man spricht häufig vom Bauchgefühl. Gibt es das überhaupt?

    „Gefühle entstehen im Gehirn, im sogenannten limbischen System.“ Aber sie drücken sich durch das vegetative Nervensystem, das wir nicht willentlich beeinflussen können, auch körperlich aus – wie etwa durch weiche Knie, Angstschweiß, Erröten. Und da das Zentrum des vegetativen Nervensystems im Bauch liegt, genauer im Solarplexus, spüren wir seine Reaktionen auch dort. 

    Wie lassen sich Gefühle beeinflussen?

    Indem ich darauf achte, wie ich mit dem Leben umgehe, durch die Art der Lebensweise. Deshalb gibt es ja jetzt auch die große Achtsamkeitswelle. Ich fokussiere mich dann nicht mehr auf das Negative, sondern achte stattdessen auf positive Dinge.

    Ihrem Buch zufolge entscheidet das erste Lebensjahrzehnt, wie stark die Emotionen ausgeprägt sind. Bedeutet das: gefühlskalte Erziehung = gefühlsarmer Mensch?

    Nein. Die Persönlichkeit, der Charakter, das Temperament sowie die Fähigkeit, mit Gefühlen umzugehen, sind zwar nach zehn Jahren relativ ausdifferenziert. Allerdings sind die Lebensumstände entscheidend. Wer gefühlskalt beziehungsweise sehr rational erzogen wurde, kann durchaus ein gefühlvoller Mensch werden.

    Gefühle lassen sich also auch erlernen?

    Ja, glücklicherweise! Aber nicht durch Einsichten, sondern durch Erlebnisse: Wenn man etwa mit einem emotionalen Menschen zusammenlebt, der einem seine Gefühle ständig zeigt, dann färbt das ab. Lernen am Modell, heißt das so schön.

    Gibt es Menschen, denen Gefühle gänzlich fehlen?

    Es gibt die Alexithymie, die Gefühlsblindheit, allerdings ist sie äußerst selten. Menschen mit Alexithymie können nicht seelisch empfinden, nur körperlich wahrnehmen. Da sie deshalb auch keinen Leidensdruck verspüren können, sind sie nur schwer oder gar nicht therapierbar. Zum anderen gibt es Menschen, denen von Geburt an echte Hirnstrukturen im limbischen System fehlen, die etwa ohne Mandelkern, auch Amygdala genannt, auf die Welt kommen. Die haben dann zum Beispiel keine Angst, was fatale Folgen hat.

    Gibt es auch ein Zuviel an guten Gefühlen?

    Nicht wenn es sich um echte Gefühle handelt und diese nicht unterdrückt werden, sie halten uns gesund. Wer jedoch nur überbordende Glücksgefühle, Freude oder Rührung empfindet, der leidet eventuell an einer Manie. Betroffene werden überflutet mit bestimmten Botenstoffen wie Dopamin oder Endorphinen und sind deshalb auch hoch risikofreudig. In solchen Fällen blockt man die Botenstoffe medikamentös.

    Wie sieht es mit Wut und Zorn aus?

    Rauslassen! Das ist wichtig. Wut wird nicht wie Schadstoffe über die Leber oder die Niere ausgeschieden. Wer wütend ist, baut eine unheimliche Spannung auf. Diese gilt es zu entladen, sonst werden wir krank. Dann entstehen etwa Herzrhythmusstörungen oder ein Reizdarmsyndrom.

    Und wenn Wut zu Streit führt?

    Ja und? Solange man nicht körperlich aggressiv wird, ist das völlig in Ordnung. Besser ist es natürlich, bei Frust die Dinge anzusprechen, damit erst gar kein Streit aufkommt.

  • Günter Maria Bregulla: „Ich habe innere Ruhe gefunden"
    bregulla-interview

    „Gefühle sind unglaublich wichtig, sie machen uns Menschen aus“, sagt Günter Maria Bregulla. Der 57-jährige Journalist beschreibt sich selbst als einen Mann der Extreme, einer, der intensiv spürt, denkt, hinterfragt, an allem interessiert ist und seine Gefühle so offen wie möglich zeigt. Allerdings gab es eine Lebensphase, in der die Emotionen derart überschwappten, dass er ein zusätzliches Ventil brauchte, um damit zurechtzukommen.

    Es waren die anderthalb Jahre des langsamen Abschiednehmens von seinem Vater, der schwer krank geworden war. Neben der Arbeit kümmerte sich der viel beschäftigte Journalist um ihn – auch das wieder extrem. Jedes Wochenende fuhr er ein paar Hundert Kilometer zum Elternhaus, die letzten Wochen war er fast ausschließlich dort. Aber nicht der zeitliche Aufwand war es, was ihn anstrengte. „Es war emotional aufwühlend, nicht belastend, das wäre das falsche Wort, denn es war auch schön.“ Schön? „Ja, weil für mich alles schön ist, was mit intensiven Gefühlen zu tun hat.“ Er sei mit seinem Vater in dieser Zeit „sehr eng geworden“, die Phase sei „von Liebe geprägt“ gewesen, eine Erfahrung, die er niemals missen möchte. Dazu gehört auch der Moment, als er seinen Vater – „er war nur noch ein kleines Paket“ – aus dem Bett hob: „Er hielt sich an mir fest und sagte, er könne sich noch erinnern, als er mich als kleines Baby das erste Mal auf dem Arm hatte und welch ein schönes Gefühl das gewesen sei – und jetzt hielt ich ihn auf dem Arm.“

    Doch intensive Gefühle seien nicht nur schön, „sondern auch anstrengend wie Hochleistungssport“, deshalb brauchte er einen Ausgleich, etwas, was ihn abschalten ließ. Er erinnerte sich, als Teenager gern gemalt zu haben, frischte seine Malkenntnisse auf und hatte das geeignete Werkzeug gefunden. „Durch das Malen konnte ich nicht nur tiefste Gefühle und Gedanken ausdrücken, sondern ich habe auch wieder zu innerer Ruhe gefunden.“ Heute, mehr als zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters, malt der Journalist immer noch sehr intensiv und hatte sogar bereits seine erste Ausstellung. Welche Themen sind es jetzt, die er auf der Leinwand verarbeitet? „Alles, was mich aufwühlt: Liebe, Freude und Glück, vor allem aber gesellschaftspolitische Dinge. Die heutige Gesellschaft regt mich fürchterlich auf, vor allem, dass nur noch wenige Menschen über soziale und emotionale Intelligenz verfügen. Das ärgert mich, und das muss raus.“ So halte er es generell, denn: „Je weniger du deine Gefühle verbirgst, desto weniger angreifbar bist du – und desto stärker wirst du.“ Es gebe nur eine Einschränkung: „Wenn man damit einem anderen Menschen wehtun würde.“

  • Manuela Stecher: „Wechselbad der Gefühle"
    stecher-interview

    „Der glücklichste Moment in meinem Leben war der, als meine Mutter mich anrief und erzählte, dass sich meine geistig schwerbehinderte Schwester Ilona das erste Mal nach mehr als 20 Jahren über den Besuch meiner Eltern gefreut und sie scheinbar wiedererkannt hatte. Ein wahres Feuerwerk an Gefühlen brach in mir los: Mein Herz hüpfte vor Freude, gleichzeitig war ich zu Tränen gerührt, und eine große Erleichterung durchströmte meinen Körper.“

    Wie kann das sein? Was war passiert? Dazu muss Manuela Stecher etwas ausholen: „Meine Schwester Ilona und ich haben von Geburt an die Eiweißstoffwechselstörung Phenylketonurie (PKU, siehe auch Kasten).“ Bei Nichtbehandlung kann diese die geistige und körperliche Entwicklung eines Kindes ernsthaft gefährden. Die 50-jährige Betriebswirtin, die heute auch die Regionalgruppe Württemberg der Deutschen Interessengemeinschaft für PKU leitet, hatte Glück: Bei ihr wurde PKU bereits direkt nach der Geburt festgestellt, von Anfang an entsprechend behandelt und blieb deshalb folgenlos. Anders bei Ilona: Als die acht Jahre ältere Schwester zur Welt kam, gab es das Neugeborenen-Screening noch nicht, und die Krankheit wurde deshalb nicht frühzeitig erkannt. Da sich Ilona nur sehr langsam entwickelte, ließen die Eltern ihr Kleinkind in verschiedenen Praxen und Kliniken untersuchen. „Doch anstatt einer Diagnose bekamen sie nur immer wieder den lapidaren Satz zu hören: ‚Ihr Kind ist schwachsinnig, finden Sie sich damit ab‘“, ärgert sich Manuela Stecher. Erst nachdem die Ärzte bei ihr PKU festgestellt hatten, wurde auch Ilona getestet. „Allerdings hieß es, es sei zu spät für eine Behandlung.“ So schritt die zerstörerische Krankheit unaufhaltsam fort, und das Mädchen wurde zunehmend unruhiger und bekam immer weniger von ihrer Umwelt mit. „Bis meine Schwester mit etwa 25 Jahren meine Eltern nicht mehr erkannte und scheinbar außer peinigenden Schmerzen kaum noch etwas empfinden konnte.“

    Die Wende brachte erst der vom Vorstand der Deutschen Interessengemeinschaft Phenylketonurie initiierte und 2016 veröffentlichte Film „Die vergessenen Kinder“, eine bewegende Dokumentation über Ilona und andere PKU-Patienten, bei denen die Krankheit zu spät diagnostiziert oder nicht behandelt wurde. Plötzlich war das Augenmerk des Heims auf Ilona gerichtet“, schildert die Schwäbin. Sie erhielt nun nicht nur die von Manuela Stecher empfohlene phenylalaninarme Diät und den speziellen Eiweißersatz. Ilona kam auch in eine kleinere Gruppe und erhielt eine neue, sehr engagierte Betreuerin. Rund anderthalb Jahre später kam dann der besagte erlösende Anruf ihrer Mutter.

    Heute ist Manuela Stechers Schwester noch viele Schritte weiter: Ilona nimmt wieder am Leben teil, kann Gefühle ausdrücken, lacht, bastelt, tanzt und klatscht fröhlich zur Musik. „Ich bin der glücklichste Mensch, wenn ich sehe, wie wach und lebendig meine Schwester wieder ist.“

  • Lion: „Ich fühlte mich als Versager"
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    „Früher bin ich schnell wütend geworden, hab dann einfach nur noch rotgesehen“, erzählt der 19-jährige Lion. Deshalb war er oft in Schlägereien verwickelt. Mit 15 flog er zu Hause raus, seine Eltern konnten mit seinen Ausrastern nicht mehr umgehen. Folglich musste der Teenager ins Heim. Doch auch das verwies ihn nach ein paar Wochen, weil eine Anzeige wegen räuberischer Erpressung gegen ihn erstattet worden war. Auch in der Schule gab es Probleme. Die Mittelschule, die ihm keine Verlängerung mehr gewährte, beendete Lion ohne Abschluss. Dem Jugendlichen drohte der soziale Abstieg. „Ich hatte keine Perspektive mehr, fühlte mich als kompletter Versager.“

    Die Rettung kam durchs Jugendamt, das Lion einen Platz in der gemeinnützigen Einrichtung „JugendArbeit und Sport“ (JAS) im Münchner Osten mit ihrem Kernprojekt „Work and Box Company“ vermittelte. Deren Mitarbeiter helfen Jugendlichen mit massiven Problemen, wieder ein Leben in der Mitte der Gesellschaft führen zu können. Statt reine Therapie erhalten die jungen Menschen auf der Basis intensiver Beziehungsarbeit schulische sowie handwerkliche Angebote und regelmäßige Sporteinheiten, vor allem Boxtraining. „Damit konnte ich nicht nur angestaute Aggressionen abbauen“, erzählt der smarte junge Mann, „sondern vor allem erfahren, dass ich auch etwas kann. Wenn du einen Schlag richtig ausführst, stärkt dich das, dann kannst du darauf aufbauen. Erfolgserlebnisse sind extrem wichtig.“

    Genau das sei es auch, worauf das Boxen abziele, erklärt Jürgen Zenkel von JAS. „In erster Linie soll es das Selbstbewusstsein stärken“, so der 51-Jährige, der sowohl Lions Betreuer als auch sein Boxtrainer war. Denn genau der Mangel daran sei die häufigste Ursache dafür, dass Teenager und Jugendliche auf die schiefe Bahn gerieten. Lion sei das erste Mal im Ring nicht aus der Ecke rausgegangen, „stand da, ohne Deckung, und hat gewartet, bis ich anfing“. So hatte der damals 16-Jährige es auch bei seinen Schlägereien gemacht, er wartete, bis einer anfing, damit er eine Rechtfertigung für seinen Gegenschlag hatte. In den ersten Trainingswochen hat Lion dann ausschließlich Deckung geübt, sonst nichts. Was ihm noch geholfen hat: „Jürgen Zenkel und alle anderen hatten immer ein offenes Ohr, hier konnte ich über meine Gefühle reden, alle wurden gleich und gerecht behandelt“, erinnert sich der junge Münchner.

    Und heute? „Bin ich ein ganz anderer Mensch und mit meinem Leben sehr zufrieden“, sagt Lion strahlend. Zufrieden kann er auch sein: Bereits während seines einjährigen Aufenthalts im JAS hatte er mit Bravour seinen qualifizierten Mittelschulabschluss nachgeholt, danach seinen Führerschein gemacht, und nun steht er kurz vor der Abschlussprüfung seiner Ausbildung zum Lagerlogistiker. Ach ja: Lion wohnt wieder zu Hause – aber jetzt ohne Stress. Mit dem Boxen hat er zwar nicht weitergemacht, dafür spielt er nun in einem Fußballverein. Sein Tipp für Jugendliche, die ähnliche Probleme haben, wie er sie hatte: „Hilfe annehmen von Leuten, denen du vertraust.“

  • Stefanie Heinzmann: „Das Gute suchen"
    heinzmann-interview

    Die Schweizer Popsängerin Stefanie Heinzmann, 30, steht nach einer Pause wieder auf der Bühne. Im Interview mit aktiv+ erzählt sie, warum es ihr wichtig war, sich Zeit für sich selbst zu nehmen.

    Stefanie Heinzmann ist gebürtige Schweizerin. Das deutsche Publikum lernte sie 2008 als Siegerin des Casting-Wettbewerbs von „TV total“ mit Stefan Raab kennen. Seitdem hat sie zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem einen „Echo“.
    In diesem Jahr ist ihr fünftes Studioalbum unter dem Titel „All We Need Is Love“ erschienen.
    Heinzmann unterstützt UNICEF Schweiz und ist Botschafterin der Deutschen Kinderhospizstiftung.

    Frau Heinzmann, sind Sie ein Gefühlsmensch? Zeigen Sie gerne nach außen, was in Ihnen vorgeht?

    Ich kann meine Gefühle sehr schlecht verbergen. Und will es auch gar nicht. Ich habe für mich gelernt, dass es mir hilft, meine Gefühle auszuleben, aber auch, dass ich mich entscheiden kann, wie ich Dinge sehe und nehme. Ich will ein positiver Mensch sein. Also suche ich in jeder Situation das Gute. Das tut auch dem Herzen gut.

    Sie hatten sich eine Weile aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Warum, und was war der Anlass, wieder zurückzukommen?

    Nach acht Jahren „auf Tour“ war ich einfach etwas müde. Mein Körper hatte mir Signale geschickt, und auch sonst habe ich mich nicht wiedererkannt. Ich war sehr dünnhäutig und leicht genervt. So will ich nicht sein. Also habe ich mir diese Auszeit genommen und mir viele Gedanken gemacht. Ich war oft bei meiner Akupunktur-Lady, war wandern und habe mir Zeit genommen, um zu schlafen. Ich habe in dieser Zeit kaum gesungen, und das hat gutgetan. Als ich dann nach Monaten eine Probe mit meiner Band hatte, war es wieder um mich geschehen, und mir wurde schlagartig klar, warum ich diesen Job so unbedingt machen will. Manchmal wird einem alles zu viel im Job. Aber dann ist es wichtig herauszufinden, ob es am Job liegt oder an einem selbst. Und es lag an mir selbst.

    Sie hatten schon relativ früh zwei Bandscheibenvorfälle. Wie kam das?

    Den ersten Bandscheibenvorfall kann niemand so richtig erklären. Ich glaube, dass es eine Lektion vom Leben war. Und bei dem zweiten bin ich auf Glatteis ausgerutscht. Ich musste beide Vorfälle operieren lassen, aber bin sehr dankbar für den tollen Arzt, den ich damals hatte.

    Was hat Ihnen geholfen, das alles durchzustehen?

    Das ist schwierig zu sagen. Es war eine schmerzvolle Zeit, aber mir war klar, dass ich daraus irgendwann etwas lernen würde. Und das hat mich motiviert. Ich habe versucht, positiv zu bleiben, obwohl das nicht immer so ganz leicht war. Ich durfte auf großen Bühnen spielen und musste mich danach direkt wieder hinlegen, aber ich hatte tolle Menschen um mich herum, die mich „getragen“ haben.

    Sie sind dieses Jahr 30 Jahre alt geworden. An runden Geburtstagen zieht man ja gerne Bilanz. Wie sieht Ihre aus?

    Ich könnte gar nicht dankbarer sein. Die letzten zehn Jahre waren intensiv und spannend mit Höhen und Tiefen und dem vollen Programm. Ich habe in den letzten zwei bis drei Jahren auch sehr viel über mich selbst gelernt und schaffe es besser, Prioritäten zu setzen und auf mein Bauchgefühl zu hören. Es macht mir sehr viel Spaß, älter zu werden.

    Was wünschen Sie sich für die nächsten zehn Jahre, privat und beruflich?

    Ich bin gespannt, was das Leben noch auf Lager hat. Hauptsächlich wünsche ich mir, dass es meiner Familie und meinen Freunden gut geht und wir gesund sind. Das ist die beste Basis, um auf alles, was kommt, vorbereitet zu sein. Ich bleibe offen.

    Welchen Beruf hätten Sie ergriffen, wenn Sie nicht Sängerin geworden wären?

    Das ist jetzt sehr schwer zu sagen, weil ich schon so früh mit dem Singen anfangen durfte. Aber ich denke, dass ich ein einfaches Leben im Büro vorgezogen und nebenbei gesungen hätte. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich tatsächlich Sängerin von Beruf sein würde.

    In Ihrem neuen Song „Mother’s Heart“ geht es um Selbstakzeptanz. Das ist in Zeiten von Social Media für junge Menschen gar nicht so einfach. Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen?

    Ich empfinde es auch als eine schwierige Zeit fürs Selbstwertgefühl. Wir vergleichen uns und setzen uns unter enormen Druck. Deswegen will ich dieses Thema auch so stark besingen. Mir persönlich ist klar geworden, wie wertvoll und fragil dieses eine Leben ist, das wir haben. Und dass unser Körper jeden Tag Unglaubliches vollbringt. Das alles dürfen wir nicht nur auf Äußerlichkeiten und Erfolge reduzieren. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen und die Verantwortung dafür übernehmen. Ich habe gelernt, meine Gedanken umzuprogrammieren. Schlussendlich sind sie es, die uns oft im Weg stehen, wenn es darum geht, uns frei zu fühlen.

    Gerade im Showgeschäft geht es oft um Oberflächlichkeiten. Wie bleibt man da man selbst?

    Ich habe fantastische Menschen um mich herum und verdanke viel meinen Eltern. Sie haben mir wunderschöne Werte mit auf den Weg gegeben, wie Respekt, Freundlichkeit und Flexibilität. Ich bin einfach ein sehr harmoniebedürftiger Mensch. Alles andere macht mir Bauchschmerzen.

    Sie sind viel unterwegs, da ist es sicher nicht einfach, regelmäßig Sport zu treiben und auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Wie schaffen Sie es trotzdem?

    Da muss ich ehrlich sein und sagen, dass ich es nur phasenweise schaffe. Es hilft auf jeden Fall, dass wir eigentlich immer ein ganz ausgewogenes Catering haben. Trotzdem gibt es Tage, an denen ich sehr unregelmäßig oder nicht ganz gesund esse. So ähnlich ist es beim Sport. Manchmal ist der innere Schweinehund einfach stärker. Im Großen und Ganzen muss ich auf meinen Körper hören. Bewegung und gutes Essen sind wichtig, aber ich versuche auch, nicht allzu streng mit mir zu sein.

    Wie sieht Ihr perfekter Tag aus?

    Mein perfekter Tag ist sonnig, in den Bergen mit meinen Lieben und einem kleinen Bach, um die Füße reinzustecken. Das geht aber genauso gut zu Hause, bei Regen, mit einem Buch und einer heißen Schokolade. Ich bleib da flexibel.

    Sie sind gebürtige Schweizerin, aber viel in Deutschland unterwegs. Was ist in Ihren Augen der größte Unterschied zwischen den beiden Mentalitäten?

    Für mich ist es wohl die Art und Weise, wie man sich mitteilt. Dem Schweizer ist es sehr wichtig, höflich zu bleiben. Wir sagen gerne Dinge durch die Blume. Während der Deutsche sehr viel direkter ist und schnell zum Punkt kommt.

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