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  • Christian Schulz : „Es ist möglich. Also, machen wir es.“
    schulz

    Weltweit engagieren sich immer mehr Vertreter aus den Gesundheitsberufen für die Idee der planetaren Gesundheit. So auch die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), zu der auch so prominente Unterstützer wie der TV-Moderator und Mediziner Eckart von Hirschhausen gehören. Christian Schulz ist Facharzt für Anästhesie an der Technischen Universität München und seit Februar Geschäftsführer von KLUG.

    Herr Schulz, ist der Zusammenhang zwischen Klima und menschlicher Gesundheit in der Öffentlichkeit bereits ausreichend bekannt?

    Nein, das gehört viel stärker auf die Tagesordnung. Es fehlt ein breiteres Verständnis dafür, wie Klimawandel, der Verlust von Artenvielfalt oder auch Luftverschmutzung bereits jetzt in Deutschland zu mehr Krankheiten und vorzeitigen Todesfällen führen.

    KLUG warnt besonders vor den zunehmenden Hitzewellen – warum? 

    Weil unsere Gesellschaft darauf nicht gut vorbereitet ist. Hitzeaktionspläne liegen bestenfalls in den Schubläden, wenn es überhaupt welche gibt. Dadurch sind unsere Gesundheitseinrichtungen nicht auf eine hitzebedingte Zunahme von Erkrankten eingestellt. Das haben wir im letzten Sommer gesehen, als es eine erhebliche Übersterblichkeit durch Hitze gab. Hinzu kommt, dass das Personal selbst nicht geschützt ist. Und: Oft wissen auch die Mediziner nicht, wie sich Hitze auswirkt – zum Beispiel auf den Abbau ansonsten gut verträglicher Medikamente im Körper. Es ist also notwendig, die neuesten Erkenntnisse umzusetzen, um die Menschen zu schützen. Die EU, aber auch die Weltgesundheitsorganisation haben dazu Vorschläge gemacht.

    Wie schneidet Deutschland beim Thema Planetare Gesundheit ab?

    Solange hierzulande mit Steuergeldern subventionierte Braunkohle verstromt wird, haben wir Nachholbedarf. Dabei stehen inzwischen regenerative Energien günstiger zur Verfügung. Noch dazu befeuert die Verbrennung fossiler Energieträger nicht nur die Klimakrise, sondern verschmutzt auch die Luft und verursacht so Atemwegserkrankungen und vorzeitige Todesfälle. Das ist keine Politik für die Menschen.

    Ist das Gesundheitssystem ausreichend sensibilisiert?

    Nein. Das ist ein riesiges Handlungsfeld. Das Gesundheitssystem in Deutschland trägt nicht nur selbst bereits zu mehr als fünf Prozent der CO2-Emissionen bei. Es muss sich auch an die Veränderungen im Krankheitsspektrum anpassen, um Patienten in Zukunft schützen zu können. Das Wissen dazu muss in allen Fachgebieten verankert werden. Im Moment wird zum Beispiel der Studiengang Humanmedizin um diese Aspekte ergänzt – die Bundesärztekammer hat das Thema in die sogenannten Musterweiterbildungsordnung integriert. Wir geben im Herbst ein Fachbuch heraus, in dem wir zeigen, wie sich die Überschreitung der planetaren Belastungsgrenzen auf nahezu alle Fachgebiete der Medizin auswirkt.

    Was können Ärzte und Apotheker beitragen?

    Sie können die Patienten darüber aufklären, wie sich der Klimawandel auf ihre Gesundheit auswirkt und mithelfen, dass sie sich gesünder ernähren, mehr bewegen und damit zugleich das Klima schützen.

    Wie wollen Sie die Themen Klimawandel und Gesundheit populärer machen?

    Was nicht gut funktioniert, sind Alarmismus und der Aufruf zum Verzicht. Daher erzählen wir lieber, wie schön wir es auf unserem Planeten haben könnten und vor allem unsere Kinder haben werden, wenn wir mehr Dinge tun, die unsere Gesundheit fördern, und ein paar Dinge weniger, die uns krank machen.

    Müssen wir damit rechnen, dass bestimmte Leistungen vom Gesundheitssystem nicht mehr bezahlbar sind und sich nicht mehr alle Menschen eine ausreichende Versorgung leisten können?

    Dass wir eine Aufspaltung im Gesundheitssystem erleben werden, die zur Unterversorgung führen wird, kann und will ich mir nicht vorstellen.
    Um die uns bevorstehenden Herausforderungen zu bewältigen, ist Solidarität notwendig. Im Zweifelsfall muss man die Finanzierung von Gesundheitsleistungen neu denken, um die Gleichbehandlung sicherzustellen. Ich bin sicher, dass wir dafür eine Lösung finden.

    Brennende Wälder in Kalifornien, tauender Permafrost in Sibirien, Überschwemmungen auf der ganzen Welt – was denken Sie, wenn Sie solche Bilder sehen?

    Ich sehe vor allem erst einmal die Chance: den großen Wandel hin zu einem guten Leben, innerhalb der für die Erde verträglichen Grenzen. Und ich sehe, dass jeder noch so kleine Schritt in diese Richtung den Klimawandel verlangsamt. Das ist wertvolle Zeit, die wir gewinnen – für uns und unsere Nachkommen. Es ist möglich. Also, machen wir es.

  • Dr. Anja Luci zu Klimaschutz und Ernährung: „Diese Verschwendung macht mich wütend“
    Luci-2021

    Dr. Anja Luci ist Ernährungswissenschaftlerin und arbeitet im Versorgungszentrum der KKH in Halle an der Saale.

    Frau Dr. Luci, muss man sich in Zukunft für das Stück Fleisch auf dem Teller schämen?

    Nein, aber welches Stück auf den Teller kommt, sollte wohlüberlegt sein. Und es darf durchaus weniger sein. Die Deutschen essen nach wie vor zu viel Fleisch. Aber: Fleisch allein ist ja auch nicht der Klimakiller schlechthin. Auch Milchprodukte, insbesondere Butter und Käse, sorgen wegen der Rinderhaltung für hohe Treibhausgas-Emissionen. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass wir den Respekt vor Tieren, Natur und Klima zurückgewinnen. Dazu gehört vor allem auch der Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung. Also: Lieber bewusst genießen – das spart Geld, fördert die Gesundheit und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Und schämen sollten wir uns nur dann, wenn wir Lebensmittel wegwerfen, während Millionen Menschen weltweit hungern.

    Was tun, wenn mich die ganzen Ernährungsempfehlungen völlig überfordern?

    Unser Körper gibt uns den Weg vor und setzt Signale. Wir müssen wieder lernen, unseren Instinkten zu vertrauen, Hunger zu spüren, wenn er da ist, und uns nicht nur von Appetit leiten zu lassen. Die meisten Vorsätze, Ideen, Diäten und Pläne scheitern nicht, weil sie schlecht sind, sondern weil wir sie nicht konsequent durchführen. Viele Menschen begeistern sich für Kochshows und kennen sich aus mit gesunden Lebensmitteln, aber sie ändern nichts. Man möchte alles richtig machen, und am Ende passiert nichts, weil man total verunsichert ist. Wir grübeln und grübeln.

    Was empfehlen Sie?

    Es ist vor allem hilfreich, auf die eigenen Erfahrungen zu schauen, also darauf, was mir guttut und was nicht. Dann helfen auch selbst gesetzte Regeln, zum Beispiel ein Ernährungstagebuch zu führen. So kann man seine eigenen Ernährungsfehler besser erkennen. Wichtig ist auch, dass man immer seine persönliche Situation im Blick hat: Bei Allergien, Unverträglichkeiten oder auch Vorerkrankungen muss der Ernährungsplan darauf abgestimmt sein. Wer sich nicht sicher ist, wie er vorgehen soll, findet die richtigen Tipps bei Ernährungsfachkräften und Fachinstitutionen wie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

    Viele Verbraucher wollen nicht in die Pflicht genommen werden und verweisen darauf, dass die eigentlichen Klimasünder in der Großindustrie zu finden sind …

    Es bringt uns nicht weiter, wenn wir mit dem Finger immer nur auf die anderen zeigen. Jeder sollte sich mit dem auseinandersetzen, was er täglich zu sich nimmt. Dazu gehört, keine Lebensmittel wegzuwerfen, Obst und Gemüse aus der Region und während ihrer Saison einzukaufen, auf frische, ökologisch angebaute und nicht verarbeitete Produkte zu achten. Gesundes Essen muss übrigens gar nicht teuer sein. Laut einer amerikanischen Studie liegen die Mehrkosten pro Tag im Schnitt gerade mal bei 1,10 Euro.

    Wie verhalte ich mich, wenn ich auf bestimmte Lebensmittel aus gesundheitlichen Gründen besonders angewiesen bin?

    Generell sollte man dann immer als Erstes mit seinem Hausarzt reden und vielleicht sogar mit ihm zusammen einen Ernährungsplan aufstellen.

    Werden wir irgendwann nur noch klimaneutrales synthetisches Essen zu uns nehmen?

    Ich denke nicht, auch wenn bei uns der Fleischkonsum jedes Jahr leicht zurückgeht. Ganz anders ist es in den sogenannten Schwellenländern. Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen warnt, dass sich der globale Fleischverzehr möglicherweise bis zum Jahr 2050 noch einmal verdoppeln könnte. Hinzu kommt, dass Grünkernbratlinge und Tofu-Suppe für die meisten keine wirklich leckeren Alternativen sind. Die Ansprüche der Verbraucher sind hoch: Schmecken soll es. Gesund soll es sein, abwechslungsreich und klimagerecht. Der moderne Fleischersatz ist vielleicht ökologisch wertvoller, aber ob er auch gesünder ist, kann man pauschal nicht sagen. Das hängt von den Zutaten ab, und die haben es zum Teil in sich. Es ist halt viel Chemie in diesen Produkten. Grundsätzlich, glaube ich, muss man einfach offen sein und ausprobieren, was einem schmeckt und guttut.

    Ist das Zeitalter freien Genießens vorbei?

    Ganz klar: nein! Entscheidend ist, was und wie ich esse. Sorgsam mit unseren Ressourcen umgehen,  der Umwelt und unserer Gesundheit zuliebe – das macht Genuss ohne schlechtes Gewissen möglich. Vor allem sollten wir darauf achten, die extreme Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Vor allem auf die extreme Lebensmittelverschwendung achten. Die macht mich persönlich richtig wütend und traurig.

  • Dr. Ralph Krolewski: „Willkommen in der Klimasprechstunde“
    aktiv+interview

    Sich bewusster ernähren und mehr bewegen – für die eigene Gesundheit und für ein besseres Klima. Diesen Zusammenhang seinen Patienten näherzubringen, hat sich der Gummersbacher Allgemeinmediziner Dr. Ralph Krolewski zum Ziel gesetzt. Als erster Arzt in Deutschland hat er bereits vor knapp drei Jahren eine eigene „Klimasprechstunde“ eingerichtet.

    „Eigentlich“, sagt Dr. Ralph Krolewski, „ist es doch ganz einfach: Geht es mir als Mensch gut, dann geht es auch der Erde gut.“ Klingt fast zu schön, um wahr zu sein – und doch: Genau mit diesem Ansatz arbeitet der Arzt mit seinen Patienten in der Sprechstunde. Da eine gesunde Lebensweise auch dem Klima nützt, heißt das Konzept „Klimasprechstunde“.

    Der 65-Jährige muss schmunzeln. „Als das Ganze vor zweieinhalb Jahren losging, hatte ich mir das nur als Arbeitstitel ausgedacht.“ Doch der Begriff schlug ein und machte die Runde. Von Woche zu Woche notierte die Praxis mehr Anfragen zu dem neuartigen Angebot, „dass so neuartig ja gar nicht ist“, wie Krolewski betont. Der Zusammenhang zwischen gesundem Lebensstil und einer gesunden Umwelt sei der Fachwelt seit Jahren bekannt. „Aber in der Bevölkerung fehlt oft noch das Wissen um diesen Zusammenhang.“

    Genau hier sieht der Arzt seinen Auftrag: Menschen in Gesundheitsberufen, betont er, verfügten über millionenfache Kontakte. „Wir Mediziner müssen aufklären. Das ist wie ein riesiges Präventionsprogramm.“ Die Chancen schätzt er so ein: bis zu 30 Prozent weniger Erkrankungsfälle bei den großen Volkskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und Übergewicht und entsprechend weniger Folgeschäden.

    Eine Mission, die auf fruchtbaren Boden fällt. Denn: „Die Bereitschaft, gesünder zu leben, ist groß und ganz im Interesse der Patienten.“ Zwischen fünf und 20 Minuten dauern die Beratungen zu allen möglichen Anlässen, doch wie hat man sich den Ablauf vorzustellen? Krolewski lacht: „Also, ich stehe nicht an der Tafel und doziere über die Umwelt.“ Nein, es gehe wie in jeder Sprechstunde immer erst um die konkreten Beschwerden und Wehwehchen seiner Patienten. In vier von fünf Fällen lassen sich die Probleme mit zwei wesentlichen Faktoren in Zusammenhang bringen: falsche Ernährung oder Bewegungsmangel.

    „Und da sitzt der Hebel“, erklärt Krolewski. Denn sich gesünder zu ernähren, fange bei Obst und Gemüse aus der Region an und höre bei geringerem Fleischkonsum noch lange nicht auf. Ein Vorteil von vielen für die Umwelt: Zahlreiche Schadstoffe, die durch die industrielle Landwirtschaft und den weltweiten Transport von Lebensmitteln entstehen können dadurch eingespart werden – allen voran Kohlendioxid. Ähnlich ist es beim Thema Bewegung: „Wer sich aufs Fahrrad schwingt, statt mit dem Auto oder dem Bus zur Arbeit zu fahren, stärkt Immunsystem und Muskulatur, baut Stress ab und verbraucht keine fossilen Brennstoffe.“

    Mit einem bewussteren Lebensstil seine Gesundheit und das Klima zu fördern, das macht aus der Sprechstunde die Klimasprechstunde. „Klimaschutz mit dem eigenen Verhalten in Verbindung zu bringen, ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Auch die Sichtweise zählt: Denn anstatt von einem Verzicht auf Fleisch oder aufs Auto zu sprechen, redet Krolewski bei seinen Patienten lieber von „planetarer Diät“. Er findet: „Das klingt doch gleich viel vorteilhafter.“

    Und weil man als Arzt mit gutem Beispiel vorangehen sollte, sieht man ihn in Gummersbach mit dem Pedelec seine Hausbesuche machen. Auch seine Patienten tun es ihm gleich und lassen ihren Wagen häufiger zu Hause stehen, wenn sie etwas zu erledigen haben oder ins Büro müssen. Was ihn besonders freut: Zu den Interessenten seiner Klimasprechstunde gehören auch Land- und Forstwirte. „Die sehen jeden Tag die Auswirkungen der Klimakatastrophe vor sich und erkennen, dass es um ihre eigene Existenz geht.“

    Inzwischen gibt es deutschlandweit immer mehr Praxen, die Krolewskis Beispiel folgen. „Es hat sich rasend schnell herumgesprochen.“ Er selbst ist inzwischen einen Schritt weiter und hat seine Arbeitsräume zur klimaaktiven Praxis ausgebaut. Spezielle Messgeräte erfassen die Feinstaubkonzentration vor Ort, ein sogenannter Hitze-Tracker meldet die gefühlte Temperatur in den Räumen. Denn: Die weltweit steigenden Temperaturen gehören zu den größten gesundheitlichen Risikofaktoren als Folge des Klimawandels.

    In wenigen Jahren, ist der Gummersbacher überzeugt, wird sich der Name „Klimasprechstunde“ überlebt haben. „Das Bewusstsein in der  Bevölkerung wächst deutlich“, sagt er. Bald schon werde jeder Mensch verstehen, dass seine Gesundheit und die Gesundheit des Planeten unmittelbar zusammenhängen.

  • Albrecht Binder: „Umwelt + Mensch + Gesundheit = gutes Leben“
    aktiv+interview2

    Am 2. September 2020 schaute ganz Deutschland auf Steinheim. Jedenfalls nach Ansicht des „Westfalen-Blatts“. Anlass für die stolze Schlagzeile der Lokalzeitung war ein Festakt in der Stadthalle zu einem ungewöhnlichen Ereignis. Die kleine Gemeinde am Fuße des Teutoburger Waldes hatte als erste Kommune hierzulande eine eigene Gemeinwohl-Bilanz erstellt. Unter den Gästen an jenem Mittwochabend: der Apotheker Albrecht Binder. Mit ihm hatte alles seinen Anfang genommen …

    Rückblick: März 2017. Binder feiert seinen 55. Geburtstag und bekommt von seiner Tochter ein Buch geschenkt. Der Titel: „Gemeinwohl-Ökonomie“. Autor ist der österreichische Umweltaktivist Christian Felber. „Es war wie eine Offenbarung“, erinnert Binder sich. „Als ich das gelesen hatte, war mir klar: Das ist es, worauf du so lange gewartet hattest.“ In seinem Buch skizziert der Autor das Modell einer Wirtschaft, in der Unternehmer sich nicht mehr ausschließlich an Profit orientieren, sondern ihre Verantwortung für Mensch, Gesellschaft und Umwelt in den Mittelpunkt stellen.

    Als Apotheker mit drei Filialen ist Binder selbst Unternehmer und, wie er betont, „alles andere als ein Ökospinner“. Aber Themen wie Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz oder auch soziales Engagement waren für ihn schon vor 30 Jahren wichtig, als er seine erste Apotheke eröffnete. Und ein weiterer Aspekt: „Ich verkaufe ja gewissermaßen Gesundheit“, erklärt er. „Da sitze ich zugleich an der Quelle, um meinen Kunden den Zusammenhang zwischen einem gesunden Leben und einer gesunden Umwelt bewusst zu machen.“

    Doch wer andere von einer Idee überzeugen will, muss sie auch vorleben. Gesagt, getan: Binder stellte für sein Unternehmen seine erste Gemeinwohl-Bilanz auf, nur sieben Monate nach der Lektüre des Geburtstagsgeschenks. Anders als in der klassischen Unternehmensbilanz wird der Erfolg einer Firma dabei nicht an Umsatz und Gewinn gemessen, sondern an Werten wie Menschenwürde, ökologischem Verhalten oder auch dem Umgang mit Mitarbeitenden. „Ich musste erst einmal tief durchatmen“, so Binder, „da waren echt eine Menge hammerharter Fragen dabei.“

    Ein Aufwand, der sich gelohnt hat: Die St. Rochus-Apotheke erreichte auf einer Skala von minus 3.600 bis plus 1.000 auf Anhieb zufriedenstellende 439 Punkte. Inzwischen hat er bereits die dritte Gemeinwohl-Bilanz erstellt und wird von Jahr zu Jahr besser. Einige Gründe hierfür: Binder bietet seinen Mitarbeitenden E-Bikes als Dienstfahrräder an, lässt Botengänge im Ort ebenfalls nur per Fahrrad erledigen und konnte den Vermieter der Filiale in Paderborn überzeugen, auf Ökostrom umzustellen.  

    Das Erfolgsrezept ist verblüffend einfach: „Man muss nur den inneren Schweinehund überwinden“, meint er. Dass Klimaschutz wichtig sei, auch für die Gesundheit der Menschen, sei ja bekannt, aber: „Dementsprechend praktisch zu handeln, ist für viele erst einmal eine Hürde.“ Nicht für einen wie Albrecht Binder. Er hat in den vergangenen Jahren Vollgas gegeben. Mit der Stiftung Gemeinwohl-Ökonomie NRW starteten er, seine Frau und zwei weitere Mitstreiter ihre Mission, Gemeinden und Unternehmen im ganzen Landkreis Höxter für das Thema zu begeistern.

    Womit wir wieder bei jenem Mittwochabend im September 2020 sind. Denn Steinheim war nur die erste von drei Gemeinden im Landkreis, die eine zertifizierte Gemeinwohl-Bilanz vorlegen sollten. Kurze Zeit später zogen die Nachbarn Brakel und Willebadessen nach. Und nicht nur die öffentliche Hand macht mit: Das Stiftungsteam um Albrecht Binder kann auch die Wirtschaft für das Projekt „Gemeinwohl-Region Kreis Höxter“ gewinnen. Zehn Unternehmen in der Region haben sich bis heute der Idee angeschlossen.

    Möglich wurde dieses Engagement durch Fördergelder der EU. Inzwischen hat Binders Stiftung neue Mittel beantragt – denn die Mission geht weiter. Neue Projekte stehen an, um das Thema Gemeinwohl voranzutreiben. Für die kommenden Jahre erwartet der umtriebige Apotheker einen enormen Schub, denn: „Sorgsam mit Umwelt, Menschen und der eigenen Gesundheit umzugehen, das alles zusammen ist die Voraussetzung für ein gutes Leben. Es wird eines der ganz großen Themen unserer Gesellschaft werden.“

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