Skip to main content
Telefonische Beratung

Sie erreichen uns unter der Telefonnummer Ihrer zuständigen Niederlassung

Telefonnummer finden
Kontaktformular

Bei Fragen stehen wir Ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite

Zum Kontaktformular

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen Ihnen gerne zur Verfügung.

Kontakt

KKH Kaufmännische
Krankenkasse
30125 Hannover

Ansprechpartner vor Ort

Finden Sie die Adresse und Bankverbindung Ihrer zuständigen Niederlassung

Ansprechpartner suchen
Betriebsnummer

29137937

Unsere Betriebsnummer zur Übermittlung der Meldedaten und Beitragsnachweise

Cookie-Einstellungen

Ihre Privatsphäre ist uns wichtig!
Die KKH respektiert Ihr Recht auf Datenschutz. Aus diesem Grund stellen wir Ihnen dieses Cookie-Management-Tool zur Verfügung, damit Sie selbst entscheiden, welche Cookies Sie zulassen wollen. Ihre erteilte Einwilligung können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, indem Sie die Auswahl der Cookies in den Cookie-Einstellungen nachträglich individuell anpassen und speichern.
Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

Impressum

Cookie-Einstellungen

Bitte wählen Sie Ihre bevorzugten Cookie-Einstellungen.

Details zu den Cookies

Erforderliche Cookies
Diese Cookies sind zur Funktion unserer Website erforderlich und können in unseren Systemen nicht deaktiviert werden. Sie ermöglichen Grundfunktionen, wie den Zugriff auf gesicherte Bereiche der Webseite. Sie können Ihren Browser so einstellen, dass diese Cookies blockiert oder Sie über diese Cookies benachrichtigt werden. Einige Bereiche der Website funktionieren dann aber möglicherweise nicht.

Analytische Cookies
Diese Cookies ermöglichen es uns, die Nutzung der Website zu analysieren, um die Leistung zu messen und zu verbessern. Sie unterstützen uns bei der Beantwortung der Frage, welche Seiten am beliebtesten sind, welche am wenigsten genutzt werden und wie sich Besucher auf der Website bewegen. Alle von diesen Cookies erfassten Informationen werden aggregiert. Ein unmittelbarer Rückschluss auf eine Person ist dabei nicht möglich.

Marketing Cookies
Diese Cookies können über unsere Website von unseren Werbepartnern gesetzt werden. Sie können von diesen Unternehmen verwendet werden, um ein Profil Ihrer Interessen zu erstellen und Ihnen relevante Werbung auf anderen Websites zu zeigen. Sie funktionieren durch eindeutige Identifikation Ihres Browsers und Ihres Geräts. Ein unmittelbarer Rückschluss auf eine Person ist dabei nicht möglich. Durch das Unterdrücken von Marketing Cookies können Sie auch weiterhin Werbung der KKH sehen, diese ist dann aber möglicherweise weniger relevant für Sie.

Impressum

  • Petra Wieschalla: Hilfe für pflegende Angehörige
    wieschalla

    Petra Wieschalla ist Angehörigencoach, Demenzexpertin und Autorin des Buchs „Überlebenstipps für Elternkümmerer“.

    news+: Frau Wieschalla, wie schafft man es, während der Pflege eines Angehörigen selbst psychisch und physisch gesund zu bleiben?

    Wieschalla: Indem man sich fragt, was man leisten kann und will, sich kleine Auszeiten nimmt und Unterstützung sucht. Und das ganz ohne schlechtes Gewissen!

    news+: Wie unterstützt man ältere Angehörige, ohne übergriffig zu erscheinen?

    Wieschalla: Es kommt darauf an, wie die Hilfe angeboten wird. Mit Sätzen wie „du schaffst das alles nicht mehr, ich mache das für dich“ erzeugt man natürlich Widerstand. Besser ist es zum Beispiel, beiläufig zu erwähnen: „Ich fahre morgen einkaufen, soll ich dir was mitbringen?“ Das hilft alten Menschen, das Gesicht zu wahren.

    news+: Wie können Arbeitgeber Mitarbeiter unterstützen, die ihre Angehörigen pflegen?

    Wieschalla: Was am meisten hilft, ist die „gefühlte“ Flexibilität. Wenn der Mitarbeiter die Sicherheit hat, jederzeit für Notfälle erreichbar und auch kurzfristig für seine pflegebedürftige Person da zu sein, dann erleichtert das sehr.

    Auch die Möglichkeit, tagsüber etwas mit den Pflegediensten oder Krankenkassen zu klären, ist wichtig. Es sind meistens nur kurze Phasen, in denen das tatsächlich beansprucht werden muss.

    news+: Wie geht man damit um, wenn die Eltern aufgrund von Krankheit oder Demenz unleidlich werden und man beschimpft oder ignoriert wird?

    Wieschalla: Diese fehlende Anerkennung und der Stress können wirklich an die Substanz gehen. Es hilft, sich über die krankheitsbedingten Verhaltensänderungen zu informieren. Wenn man sich das Verhalten erklären kann, geht man etwas gelassener damit um. Und man darf seinen Eltern auch Grenzen setzen.

    news+: Andererseits: Wie tröstet man die eigenen Eltern, wenn sie traurig sind, Schmerzen und Ängste haben? Nicht jedem fällt Einfühlsamkeit leicht.

    Wieschalla: Wir können unsere Eltern nicht retten und sie auch nicht vor allen Schmerzen beschützen. Wichtig ist es, diese Schmerzen und Ängste ernst zu nehmen und nicht mit Floskeln abzutun. Also nicht sagen: „Das wird schon wieder, mach dir keine Sorgen“, sondern: „Ich kann verstehen, dass du Angst hast. Das würde mir auch so gehen.“

    news+: Die Pflege eines Angehörigen wird von vielen nur als Belastung gesehen. Gibt es auch schöne Seiten?

    Wieschalla: Es ist eine herausfordernde Zeit, da gibt es nichts zu beschönigen. Doch wenn es gelingt, sich auf das zu fokussieren, was alles noch geht, dann kann diese gemeinsame Zeit auch als sehr bereichernd erlebt werden. Man kann gemeinsame Erinnerungen aufleben lassen und sich darüber klar werden, wie wertvoll der eigene Beitrag ist.

    news+: Was, wenn man die Pflege allein nicht mehr schafft?

    Wieschalla: Sehr oft gehen pflegende Menschen über die Grenzen der Belastbarkeit. Häufig nehmen sie Hilfe erst in Anspruch, wenn sie es wirklich nicht mehr allein schaffen. Dahinter stehen oft die eigene Erwartung und der Druck von außen. Man muss sich darüber klar sein, ob man diesen Erwartungen wirklich entsprechen möchte. Denn jeder hat auch noch sein eigenes Leben. Übrigens: „Bitte gib mich nicht ins Heim“ heißt vor allen Dingen „Bitte lass mich nicht allein“.

  • Albrecht Binder: Apotheker mit Mission
    binder

    Am 2. September 2020 schaute ganz Deutschland auf Steinheim. Jedenfalls nach Ansicht des „Westfalen-Blatts“. Anlass für die stolze Schlagzeile der Lokalzeitung war ein Festakt in der Stadthalle zu einem ungewöhnlichen Ereignis. Die kleine Gemeinde am Fuße des Teutoburger Waldes hatte als erste Kommune hierzulande eine eigene Gemeinwohl-Bilanz erstellt. Unter den Gästen an jenem Mittwochabend: der Apotheker Albrecht Binder. Mit ihm hatte alles seinen Anfang genommen ...

    Rückblick: März 2017. Binder feiert seinen 55. Geburtstag und bekommt von seiner Tochter ein Buch geschenkt. Der Titel: „Gemeinwohl-Ökonomie“. Autor ist der österreichische Umweltaktivist Christian Felber. „Es war wie eine Offenbarung“, erinnert Binder sich. „Als ich das gelesen hatte, war mir klar: Das ist es, worauf du so lange gewartet hattest.“ In seinem Buch skizziert der Autor das Modell einer Wirtschaft, in der Unternehmer sich nicht mehr ausschließlich an Profit orientieren, sondern ihre Verantwortung für Mensch, Gesellschaft und Umwelt in den Mittelpunkt stellen.

    Als Apotheker mit drei Filialen ist Binder selbst Unternehmer und, wie er betont, „alles andere als ein Ökospinner“. Aber Themen wie Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz oder auch soziales Engagement waren für ihn schon vor 30 Jahren wichtig, als er seine erste Apotheke eröffnete. Und ein weiterer Aspekt: „Ich verkaufe ja gewissermaßen Gesundheit“, erklärt er. „Da sitze ich zugleich an der Quelle, um meinen Kunden den Zusammenhang zwischen einem gesunden Leben und einer gesunden Umwelt bewusst zu machen.“

    Doch wer andere von einer Idee überzeugen will, muss sie auch vorleben. Gesagt, getan: Binder stellte für sein Unternehmen seine erste „Gemeinwohl-Bilanz“ auf, nur sieben Monate nach der Lektüre des Geburtstagsgeschenks. Anders als in der klassischen Unternehmensbilanz wird der Erfolg einer Firma dabei nicht an Umsatz und Gewinn gemessen, sondern an Werten wie Menschenwürde, ökologischem Verhalten oder auch dem Umgang mit Mitarbeitern. „Ich musste erst einmal tief durchatmen“, so Binder, „da waren echt eine Menge hammerharter Fragen dabei.“ Ein Aufwand, der sich gelohnt hat: Die St. Rochus-Apotheke erreichte auf einer Skala von minus 3.600 bis plus 1.000 auf Anhieb zufriedenstellende 439 Punkte. Inzwischen hat er bereits die dritte Gemeinwohl-Bilanz erstellt und wird von Jahr zu Jahr besser. Einige Gründe hierfür: Binder bietet seinen Mitarbeitern E-Bikes als Dienstfahrräder an, lässt Botengänge im Ort ebenfalls nur per Fahrrad erledigen und konnte den Vermieter der Filiale in Paderborn überzeugen, auf Ökostrom umzustellen.

    Das Erfolgsrezept ist verblüffend einfach: „Man muss nur den inneren Schweinehund überwinden“, meint er. Dass Klimaschutz wichtig sei, auch für die Gesundheit der Menschen, sei ja bekannt, aber: „Dementsprechend praktisch zu handeln, ist für viele erst einmal eine Hürde.“ Nicht für einen wie Albrecht Binder. Er hat in den vergangenen Jahren Vollgas gegeben. Mit der Stiftung Gemeinwohl-Ökonomie NRW starteten er, seine Frau und zwei weitere Mitstreiter ihre Mission, Gemeinden und Unternehmen im ganzen Landkreis Höxter für das Thema zu begeistern.

    Womit wir wieder bei jenem Mittwochabend im September 2020 sind. Denn Steinheim war nur die erste von drei Gemeinden im Landkreis, die eine zertifizierte Gemeinwohl-Bilanz vorlegen sollten. Kurze Zeit später zogen die Nachbarn Brakel und Willebadessen nach. Und nicht nur die öffentliche Hand macht mit: Das Stiftungsteam um Albrecht Binder kann auch die Wirtschaft für das Projekt „Gemeinwohl-Region Kreis Höxter“ gewinnen. Zehn Unternehmen in der Region haben sich bis heute der Idee angeschlossen.

    Möglich wurde dieses Engagement durch Fördergelder der EU. Inzwischen hat Binders Stiftung neue Mittel beantragt – denn die Mission geht weiter. Neue Projekte stehen an, um das Thema Gemeinwohl voranzutreiben. Für die kommenden Jahre erwartet der umtriebige Apotheker einen enormen Schub, denn: „Sorgsam mit Umwelt, Menschen und der eigenen Gesundheit umzugehen, das alles zusammen ist die Voraussetzung für ein gutes Leben. Es wird eines der ganz großen Themen unserer Gesellschaft werden.“

  • Dirk Engel: „Haltung ist eine Chance“
    engel

    Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sind unsicher, wie sie mit dem Thema Haltung umgehen sollen. Der Frankfurter Markt- und Medienforscher Dirk Engel macht ihnen Mut: Wer es richtig angeht, kann seine Zielgruppen umso stärker an sich binden.

    Dirk Engel, Markt- und Medienforscher aus Frankfurt

    Herr Engel, wieso wird eigentlich plötzlich so viel über Haltung gesprochen?

    In vielen gesellschaftlichen Bereichen herrscht heute eine höhere Sensibilität. Gleichzeitig werden die öffentlichen Debatten rauer, auch extreme Ansichten werden artikuliert. Deshalb können Unternehmen in öffentliche Debatten geraten und müssen mitunter Stellung beziehen. Haltung zu bestimmten gesellschaftlichen Themen zu zeigen, wird deshalb immer häufiger von Firmen und deren Führungskräften verlangt.

    Ist das eine Modewelle oder steckt mehr dahinter?

    Vor einigen Jahren kochte in Unternehmen das Thema „Corporate Social Responsibility“ hoch – Firmen sollten nicht nur auf den Gewinn achten, sondern ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen. In jüngster Zeit geht das Schlagwort „Purpose“ um. Eigentlich heißt es nur, dass jedes Unternehmen einen Zweck haben muss. Doch einen rein geschäftlichen Zweck zu haben, wie zum Beispiel „Kunden die besten Produkte in der Kategorie XY zu geben“, scheint nicht mehr auszureichen. Der Purpose soll möglichst über die Firma hinausweisen und gesellschaftliche oder ökologische Ziele mit aufnehmen. Das alles ist mittlerweile aber keine rein akademische Diskussion unter Management-Professoren mehr, sondern basiert auf einer veränderten Sichtweise der Konsumenten.

    Das widerspricht aber doch erst einmal der unternehmerischem Logik, oder?

    Im Wirtschaftsleben gibt es nur eine Logik: die des Geldverdienens. Andere Zwecke und Werte sind nur dann relevant, wenn sie das Geldverdienen beeinträchtigen oder fördern können. Das ist gegeben, wenn die Konsumenten ihre Kaufentscheidungen von der Haltung eines Unternehmens abhängig machen. Die Kunden sind es also, auf die es ankommt. Bei ihrer Kaufentscheidung zählt es zunehmend nicht nur, dass das Produkt die erhoffte Leistung erbringt, sondern auch, ob die Werte des Anbieters mit meinen Werten übereinstimmen. Dadurch wird potenziell jeder Kauf zu einer „High-Involvement-Situation“. Selbst der Kauf eines Schokoriegels für ein paar Cent kann so zu einem politischen Statement werden: Es geht nicht allein um Geschmack oder Kalorien – zusätzlich können Tierwohl, die Verwendung von Palmöl oder gentechnisch verändertem Mais, Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern oder ganz andere Kriterien relevant werden.

    Welche Rolle spielen bei der Diskussion um Haltung die sozialen Medien?

    Soziale Medien können Debatten starten und verstärken. Für viele jüngere Menschen sind solche Plattformen gleichzeitig Informationsquellen und Kommunikationsmittel. Dadurch kann die Aufmerksamkeit auf Themen oder bestimmte Unternehmen gelenkt werden. Journalisten bei den klassischen Medien finden außerdem Anregungen in den sozialen Netzwerken und greifen diese Themen auf – was wiederum zu einer Verstärkung oder Eskalation beitragen kann. Eine besondere Gefahr der sozialen Medien besteht darin, dass Aussagen, die früher nicht an die Öffentlichkeit gekommen wären, sich leichter verbreiten. Eine unbedachte, vielleicht eher private Bemerkung eines Managers auf Twitter kann dann schon mal zum Skandal werden und sogar den Aktienkurs beeinflussen. Die Grenze zwischen öffentlich und privat verschwimmt mehr als früher.

    Ist die Angst vor dem Shitstorm berechtigt?

    Natürlich besteht immer die Gefahr, dass man Mittelpunkt eines Skandals wird. Kaufboykotte sind eine reale Option. 38 Prozent der in einer Studie  befragten Deutschen gaben an, schon mal Produkte und Dienstleistungen nicht genutzt zu haben, weil sie mit der Haltung eines Unternehmens nicht übereinstimmten. Doch Haltung zu zeigen, kann genauso auch eine Chance sein. So kann eine Marke in der Werbung soziale Themen aufgreifen, um zu zeigen, dass ihre Werte mit denen der Zielgruppe übereinstimmen. Die kontroversen Diskussionen sind dann keine Gefahr, sondern ein gewollter Teil der Kampagne – man denke nur an Dove oder Gillette, die sich erfolgreich mit Schönheitsidealen und Geschlechter-Stereotypen kritisch auseinandersetzen

    Haltung muss glaubwürdig sein – wie gelingt mir das als Unternehmen?

    Der Begriff Authentizität ist schwierig zu definieren. Gerade Wirtschaftsunternehmen sind erst einmal im Generalverdacht, dass es ihnen nur ums Geld gehe. So stimmen 29 Prozent der Befragten in der Studie der Aussage zu: „Unternehmen und Marken sollten sich aus öffentlichen Diskussionen heraushalten.“ Man muss genau analysieren, welche Werte die Zielgruppe hat und ob die Werte der Marke dazu passen. Hier braucht es Fingerspitzengefühl, aber auch Mut.

    Wo verläuft die Grenze zwischen Authentizität und Werbesprüchen?

    Die ist nicht immer klar zu ziehen. Allerdings sind nicht alle Konsumenten überkritisch – viele sind dankbar, wenn man ihnen mit einem Produkt ein gutes Gewissen mitverkauft. Der Begriff „Greenwashing“ besagt zum Beispiel, dass ein ökologisches Engagement vorgetäuscht wird. Das lässt sich auf andere Themenbereiche übertragen. Auch hier muss man die Psychologie der Konsumenten verstehen. Greenwashing betreiben nicht nur Unternehmen, auch Verbraucher möchten ihr Image aufbessern. Sie wollen sich selbst als ökologisch bewusste Bürger sehen, obwohl ihre Gewohnheiten mit den Einstellungen noch nicht übereinstimmen.

    Wie sehr hängt unternehmerische Haltung von den Führungskräften ab?

    Manager sind Menschen, die vom gesellschaftlichen Wandel nicht isoliert sind. Stattdessen sind sie in ihren Milieus und Lebenswelten zu Hause und müssen sich dort mit Familie, Freunden und Nachbarn auseinandersetzen. Deren Werte sind auch für sie wichtig. Bei kleinen Unternehmen ist der Chef oder die Chefin auch die Person, die eine Haltung authentisch ausdrücken kann. Das ist einfacher als in einer großen Organisation. Hier dafür zu sorgen, dass alle mit einer Stimme sprechen und die gleiche Haltung überzeugend vertreten können, ist eine Herausforderung.

    Muss sich wirklich jeder Betrieb mit dem Thema auseinandersetzen?

    Das öffentliche Parkett ist sehr glatt, die Gefahr auszurutschen hoch. Wer sich da nicht wohlfühlt, sollte sehr genau überlegen, ob er sich darauf einlässt. Eine klare Haltung zu haben, bedeutet, Konflikte aushalten zu können. Nicht jeder Unternehmer ist dazu bereit oder in der Lage. Auf der anderen Seite kann es aber jede Firma treffen, in eine gesellschaftliche Debatte gezogen zu werden. Hier sollte man frühzeitig mögliche Konfliktthemen erkennen und sich vorbereiten, bevor es zu einem öffentlichen Eklat kommt. Viele Branchen bergen eine ganze Reihe von gesellschaftlichen Minenfeldern, aber auch die Personalpolitik kann in den Blickpunkt geraten - etwa, wenn es um die Zahl der weiblichen Führungskräfte oder die Diversität der Belegschaft geht. Deshalb ist es vernünftig, sich seiner Haltung zu solchen Themen bewusst zu sein, selbst wenn man damit noch nicht an die Öffentlichkeit geht.

    Ihre drei Toptipps für kleine und mittelständische Unternehmen zum Umgang mit Haltung?

    Erstens: Diskutieren Sie mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesellschaftliche Themen, die Ihre Geschäfte berühren könnten. Holen Sie sich dazu externe Meinungen – nicht nur von Beratern, sondern auch von Menschen aus ganz anderen Bereichen: von Studierenden, Lehrenden, politisch Aktiven, Menschen, die sich sozial engagieren. Lernen Sie die Themenfelder kennen, bevor Sie öffentlich eine Haltung zeigen. Das Beobachten von Social-Media-Posts kann dabei helfen.

    Zweitens: Sehen Sie das Thema Haltung nicht nur als eine Defensivmaßnahme. Es kann eine aktive Kommunikationschance sein. Schauen Sie, ob es in Ihrem Umfeld bereits Aktivitäten gibt – bei Kunden, Mitarbeitern, Vereinen oder Organisationen aus der Branche oder der Nachbarschaft. Fördern Sie das ehrenamtliche Engagement von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – deren ehrliche Haltung wird immer authentischer sein als jede auf dem Reißbrett entworfene Strategie.

    Drittens: Sorgen Sie dafür, dass Sie in öffentlichen Diskussionen schnell reagieren können und handlungsfähig sind. Schnelligkeit ist in der Social-Media-Welt wichtiger als präzise Planung, zumal die Kommunikation in einer digitalen Öffentlichkeit kaum zu kontrollieren ist. Zeit für lange Abstimmungsmeetings und komplexe Freigabeprozeduren gibt es leider nicht mehr.

  • Laure Berment: „Da müssen alle mit anpacken“
    berment

    Zwölf Tonnen Lebensmittel werden laut Bundeszentrum für Ernährung jedes Jahr allein in Deutschland weggeworfen. Die App der Plattform Too Good to Go will dem entgegenwirken. Die Idee: Händler, Gastronomen und Hoteliers bieten Selbstabholern überschüssiges Essen zu einem vergünstigten Preis an. Wir sprachen mit der Deutschland-Chefin Laure Berment über das Konzept, das an die Haltung von Unternehmen appelliert.

    Frau Berment, was ist die Voraussetzung für einen Betrieb, bei Ihrer App mitzumachen?

    Das Ziel der UN ist es, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung pro Kopf zu halbieren, da müssen alle mit anpacken. Deshalb freuen wir uns über jeden Betrieb, der gemeinsam mit uns übrig gebliebene Lebensmittel vor der Tonne rettet. Bestimmte Kriterien für eine Zusammenarbeit mit Too Good To Go gibt es also erst einmal keine – außer natürlich, dass der Partnerbetrieb über überschüssige Lebensmittel verfügt.

    Was motiviert die teilnehmenden Betriebe, bei Ihnen mitzumachen?

    In erster Linie bekommen sie die gebührende Wertschätzung und einen kleinen finanziellen Beitrag für ihre Lebensmittel, die mit viel Liebe und finanziellem Aufwand hergestellt wurden. Zusätzlich wird der eigene Laden bekannter, weil potenzielle Neukunden über die App darauf aufmerksam gemacht werden. Und nicht zuletzt kann das Geschäft nach außen sein soziales und nachhaltiges Engagement zeigen.

    Laut Ihrer Website sind rund 8.000 Cafés, Restaurants, Supermärkte, Bäckereien und Hotels inzwischen bei Ihnen an Bord. Wie erweitern Sie dieses Netzwerk?

    Der Großteil unseres Teams arbeitet täglich daran, neuen Läden in ganz Deutschland unser Konzept vorzustellen. Und natürlich freuen wir uns auch, wenn Läden von sich aus auf uns zukommen und Vorreiter in ihrer Stadt sein wollen.

    Ist das Ganze nur eine momentane Zeitgeisterscheinung?

    In Deutschland gibt es Too Good To Go tatsächlich schon seit mittlerweile fünf Jahren. Das Phänomen der Lebensmittelrettung per App ist also nicht wirklich neu. Im Vergleich ist die Bedeutung von Nachhaltigkeit heutzutage eine ganz andere als noch vor zehn Jahren, auch der Umgang mit dem Thema Lebensmittel ist viel bewusster geworden. Das ist für unsere Mission natürlich enorm hilfreich. Das persönliche Konsumverhalten ist für viele Menschen ein wesentlicher Hebel für mehr Ressourcenschonung und Klimaschutz geworden. Darauf müssen sich auch die Betriebe einstellen, um nicht an Relevanz zu verlieren. Mit der Teilnahme an Too Good To Go leisten sie bereits einen wichtigen Beitrag. Egal, ob als ersten Schritt hin zu einem nachhaltig operierenden Unternehmen oder als einen von vielen Schritten – das sind die spürbaren Veränderungen, die unsere Umwelt dringend braucht.

    Wie hoch ist der zeitliche Aufwand, der für einen Betrieb mit der Teilnahme verbunden ist?

    Was unsere Partner an unserem Modell besonders schätzen, ist das Konzept „Überraschungstüte“. Es gibt ihnen die Möglichkeit, eine Tüte mit übrig gebliebenen Lebensmitteln zu füllen, anstatt Produkte einzeln auf die Plattform stellen zu müssen. Das spart nicht nur Zeit, sondern liefert mit Blick auf schwer vorhersagbare Überschüsse auch Flexibilität. Das ist für viele Partner bei der Reduzierung von Lebensmittelverschwendung entscheidend. Und unsere Community freut sich über die Überraschung in der sogenannten Magic Bag.

    Wie verhindern Sie, dass die App als „Entsorgungsplattform“ oder „Ramschbude“ missbraucht wird?

    Im Lebensmitteleinzelhandel ist Überproduktion heutzutage leider oft ein fester Bestandteil des Systems. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe, zum Beispiel die Erwartungshaltung vieler Kunden, auch kurz vor Ladenschluss noch volle Regale mit einer großen Auswahl an Lebensmitteln im Supermarkt vorzufinden. Das daraus resultierende Überangebot wird aber leider nicht von der Nachfrage gedeckt, viele noch genießbare Lebensmittel landen deshalb im Müll. Einige Betriebe steigen zu Beginn einer Partnerschaft mit uns mit einer höheren Menge an überschüssigen Lebensmitteln ein und korrigieren diese nach ein paar Wochen nach unten. Wir glauben, dass die App für ein größeres Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung sorgt und hilft, Überproduktion zu reduzieren.

    Warum verschenken die Teilnehmer das überschüssige Essen nicht einfach?

    Wir sprechen von riesigen Mengen an verschwendeten Lebensmitteln, die uns vor eine sehr große Herausforderung stellen, auch aus sozial-ökologischen Gründen. Umso wichtiger ist es, dass alle Lebensmittelretter an einem Strang ziehen, um dem Problem mit geballter Power den Kampf anzusagen. Die Tafeln zum Beispiel können unter anderem aus hygienischen oder logistischen Gründen nicht immer alle Lebensmittel retten. Da kommt Too Good To Go ins Spiel. Wir sehen also, dass wir uns gegenseitig super ergänzen – und auch mit unterschiedlichen Konzepten gemeinsam noch viel zu tun haben, bis das Problem gelöst ist.

    Was geschieht mit den Gebühren für die App?

    Die Nutzung der App ist kostenlos, sowohl für unsere Community als auch für unsere Partnerbetriebe. Für jede verkaufte Überraschungstüte erhält Too Good To Go eine kleine Pauschalgebühr, in Deutschland liegt diese in der Regel bei knapp einem Euro. Dieser Betrag fließt unter anderem in die App-Technologie, den Kundenservice und die Partnerbetreuung. Außerdem erheben wir eine jährliche Servicegebühr von 39 Euro, die für die Betriebe mit dem Retten einiger Essensportionen schnell wieder reingeholt ist.

    Welches Feedback bekommen Sie von den teilnehmenden Firmen?

    Wir stehen im engen Austausch mit unseren Partnerbetrieben und unserer Community. Das Feedback, das wir so bekommen, ist durchweg sehr positiv. Heutzutage gibt es ein wachsendes Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung, und der Bedarf nach praktikablen Lösungen für den Alltag wächst. Genau dort setzt Too Good To Go an, wir sind sozusagen die richtige App zur richtigen Zeit.

    Und was hat Sie bewogen, sich bei Too Good To Go zu engagieren?

    In meinem vorherigen Job bei „Marktschwärmer“ – einer digitalen Plattform, die regionale Erzeuger auf direktem Weg mit Konsumenten vernetzt – stand ich im konstanten Austausch mit Landwirten. So habe ich erfahren, wie viel Arbeit, Ressourcen und Mühe eigentlich in unserem Essen stecken. Danach war es für mich praktisch unmöglich, mich nicht ständig mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Mal ganz davon abgesehen, dass Essen auch privat zu meinen großen Leidenschaften zählt. Pro Tag stehe ich gut und gerne mehrere Stunden in der Küche, und wenn ich nicht koche, dann kaufe ich Essen ein. Die Wertschätzung von Lebensmitteln wird bei uns daheim großgeschrieben. Dass sich Too Good To Go dafür einsetzt, dass jedes produzierte Lebensmittel auch konsumiert wird, passt da also wie die Faust aufs Auge. Ein absoluter Traumjob für mich.

  • Renata Neukirchen: Unternehmerin mit Herz
    neukirchen

    Im Münchner Norden steht ein echtes „Genuss-Juwel“. So bezeichnet sich selbstbewusst das „Gasthaus Domagk“, das noch mit einer weiteren Besonderheit aufwartet: Es wird als Genossenschaft betrieben. Entwickelt wurde diese Idee von vier Frauen, da sich kein Gasthausbetreiber-Interessent gefunden hat. Für Gründerin, Vorständin und Gasthaus-Verantwortliche Renata Neukirchen eine Herzensangelegenheit, denn: „Ich will als Unternehmerin dem Gemeinwohl dienen.“

    Der Domagkpark im Münchner Stadtteil Schwabing: Auf dem einstigen Kasernengelände entstand zwischen 2013 und 2019 ein ganz neuer Stadtteil auf einer Fläche von 24,3 Hektar. Rund 4.000 Menschen leben in dem Quartier, hinzu kommen zahlreiche Bürohäuser. Das „Gasthaus Domagk“ liegt im südöstlichen Teil des Geländes – und gehört zum genossenschaftlichen Wohnbauprojekt „wagnisART“. Bekannt wurde dies durch seine prämierte Architektur, zahlreiche Kunst- und Kulturprojekte sowie durch innovative Wohnformen.

    Als Renata Neukirchen 2016 von der Wagnis-Genossenschaft gefragt wurde, ob sie in dem Viertel ein Restaurant eröffnen und managen würde, war sie sofort begeistert. Sie war zwar gerade erst in Rente gegangen, aber: „Die Aussicht auf ein neues Abenteuer war einfach zu verlockend“, gesteht sie und lacht. Neukirchen hatte sich in ihrem Berufsleben zuvor jahrelang in Projekten engagiert, mit denen Menschen mit Lern- oder geistiger Behinderung, psychischer Erkrankung sowie leichteren körperlichen Einschränkungen ins Arbeitsleben integriert werden. „Das bunte Miteinander und das gemeinsame Entwickeln, Lernen und Arbeiten lag mir immer am Herzen.“

    Mit der Anfrage aus dem Domagkpark sah Renata Neukirchen die Chance für sich gekommen, ihre Überzeugung mit unternehmerischer Selbstständigkeit zu verknüpfen. „Ich hatte sofort die Vision: eine Küche anzubieten, in der es gutes, kreativ gekochtes Essen zu vernünftigen Preisen gibt, die ihren Beschäftigten menschenwürdige Arbeitsbedingungen zusichert und ihre Produkte aus biologischer und artgerechter Landwirtschaft bezieht.“

    Neukirchen musste nicht lange überlegen und entschied sich dafür, mit Gleichgesinnten das Gasthaus als Genossenschaft zu gründen. Eigentümer sind dabei nicht die Gesellschafter wie bei einer GmbH, sondern alle Mitglieder – genannt Genossen. Mitglied wird man, indem man Anteile an der Genossenschaft erwirbt. Beim „Gasthaus Domagk“ kostet ein Anteil 500 Euro. Der Clou: Da die Genossenschaft ihren Mitgliedern gehört, bestimmen diese auch die Geschäftsentwicklung des Unternehmens mit. „Mir gefällt dieser demokratische Ansatz“, erklärt Renata Neukirchen. „Es geht uns nicht um Gewinn, sondern um die Gemeinschaft.“

    Inzwischen zählt diese Gemeinschaft über 220 Mitglieder, von denen etwa 75 Prozent im Viertel selbst wohnen. „Unsere Genossenschaft ist ein echtes Nachbarschaftsprojekt“, freut sich die Gründerin. Nicht nur, dass viele Mitglieder als Stammgäste zum Essen hierherkommen und dort Leckereien wie den mediterranen Fischeintopf oder das Geschnetzelte vom Landhuhn genießen. Ohne das Genossenschaftsmodell, ist Neukirchen überzeugt, hätte der kurz vor der Corona-Pandemie noch im Aufbau begriffene Betrieb auch nicht überlebt: Mit einer ersten Finanzspritze von 25.000 Euro halfen die Mitglieder dem Gasthaus über die Runden. „Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen“, freut sich Neukirchen. Und genau darin sieht sie den Sinn und Zweck, den ihr „Genuss-Juwel im Quartier“ erfüllen soll.

  • Markus Ulrich: „Von Vielfalt profitieren wir alle“
    ulrich

    Markus Ulrich ist Pressesprecher des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland (LSVD) in Berlin. Der Verband vertritt die Interessen und Belange von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI). Wir sprachen mit ihm darüber, welche Probleme diese Gruppen noch immer im Arbeitsleben haben. 

    Herr Ulrich, können sich Homosexuelle mittlerweile im Job zu ihrer Lebensweise bekennen?

    Immer mehr Lesben, Schwule und Bisexuelle stehen offen zu ihrer sexuellen Orientierung. Sie müssen allerdings weiter mit Belästigungen, Mobbing und Diskriminierungen am Arbeitsplatz rechnen. Laut Studien entscheidet bis heute jeder Dritte, sich Mitarbeitenden gegenüber nicht zu outen, 40 Prozent sprechen darüber nicht mit ihren Vorgesetzten.

    Wie verbreitet ist Diskriminierung?

    Bis heute ist der Arbeitsplatz ein relativ häufiger Diskriminierungsort. An einer Studie der Das reicht von Tratsch über Ignoranz und Mobbing bis hin zu körperlicher Aggression, sexueller Belästigung und negativen Folgen für die Karriere im Unternehmen. Zwei Drittel dieser Erfahrungen sind Diskriminierungen im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, ein Fünftel ist sogar strafrechtlich relevant.

    Laut der Antidiskriminierungsstelle wäre es für mehr als jeden zehnten Befragten „sehr“ oder „eher“ unangenehm, wenn Kollegen oder Kolleginnen lesbisch oder schwul wären.

    Wie sollen sich Homosexuelle beim Bewerbungsgespräch und am Arbeitsplatz verhalten, wenn nach Beziehung, Familienstand und dergleichen gefragt wird?

    Eigentlich dürfen diese Fragen im Bewerbungsgespräch nicht gestellt werden. Bei der sexuellen Identität handelt es sich um eine höchst persönliche Eigenschaft, die in der Regel weder ausgeforscht werden darf noch offenbart werden muss. Sie müssen diese Frage nicht wahrheitsgemäß beantworten, rechtlich würden keine nachteiligen Folgen für die Bewerber und Bewerberinnen drohen.

    Allerdings sollte man sich vorher überlegen, wie man mit dieser Frage umgehen möchte und sich eine Antwort zurechtlegen. Letztlich muss jeder selbst entscheiden, ob er sich gleich outen will oder nicht.

    Trans- und Intersexuelle haben es im Job wahrscheinlich noch mal schwerer?

    Tatsächlich ist die Diskriminierung von trans- und intergeschlechtlichen Menschen durch Politik und Gesellschaft ein großes Problem. So gibt es nach wie vor kein Selbstbestimmungsgesetz, auf dessen Grundlage transgeschlechtliche Menschen ohne demütigende und teure Gutachten ihren Vornamen und den Geschlechtseintrag ändern können.

    Ungeoutet zu sein, bedeutet für diese Menschen, sich täglich mit falschem Namen ansprechen zu lassen und nicht so auftreten zu können, wie es ihrer Geschlechtsidentität entspricht. Das ist eine wahnsinnige Belastung. Sich immer verstellen zu müssen, kostet Kraft und Ressourcen. Diskriminierung ist Stress, der die Zufriedenheit am Arbeitsplatz einschränkt und sogar krank machen kann. Doch den Job, die Weiterbildung, die Beförderung nicht zu erhalten, den Job wechseln zu müssen – das hat weitreichende, direkte finanzielle Auswirkungen bis hin zu geringeren Rentenleistungen und einem erhöhten Armutsrisiko.

    Berührungsängste entstehen häufig auch dadurch, dass man nichts falsch machen möchte. Wie ist die korrekte Ansprache von Menschen, die weder weiblich noch männlich sind?

    Einen „Standard“ gibt es nicht. Oftmals braucht man aber geschlechtsspezifische Anreden gar nicht, etwa bei „Liebes Team“, „Sehr geehrte Mitarbeitenden“, „Guten Tag plus Name“. Kennt man die nicht-binären* Menschen persönlich, ist es gut zuzugeben, dass man unsicher ist, und daher nach dem Pronomenwunsch zu fragen.

    Vorgesetzte haben auch hier durch ihr eigenes Verhalten Vorbildfunktion. Wenn sie selbstverständlich und offen mit transgeschlechtlichen Mitarbeitenden umgehen und diese wiederum wissen, dass sie Rückhalt haben, ist das schon viel wert.

    Wie sorgen Unternehmen für die Akzeptanz von Diversität?

    Betriebe können viel gegen Vorurteile, Mobbing und LSBTI-Feindlichkeit am Arbeitsplatz tun. Der erste Schritt ist, nicht einfach davon auszugehen, dass alle Mitarbeitenden heterosexuell beziehungsweise cisgeschlechtlich** sind.

    LSBTI-Arbeitnehmende möchten abschätzen, ob sie ein Coming-out am Arbeitsplatz haben können, ohne negative Reaktionen zu erwarten. Arbeitgebende sollten in ihrer Unternehmenskommunikation wie etwa in der Firmenzeitung oder den Social-Media-Kanälen daher zeigen, dass sie unterschiedliche sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten akzeptieren.

    Was sagen Sie Arbeitgebern, die zögern, queere*** Menschen einzustellen?

    Es gibt zum einen die rechtliche Lage: Seit 2006 ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) beziehungsweise das sogenannte Antidiskriminierungsgesetz in Kraft. Es verpflichtet Unternehmen, niemanden aufgrund der sexuellen Identität und des Geschlechts zu benachteiligen. Die Einführung von „divers“ als dritten positiven Geschlechtseintrag hat ebenfalls Auswirkungen auf die Rechte von nicht-binären Menschen.

    Außerdem geht es darum, welche Unternehmenskultur gewünscht ist. Viele Menschen wollen an einem offenen, mobbing- und diskriminierungsfreien Ort arbeiten. Je mehr sich die Mitarbeitenden mit ihrem Arbeitsplatz identifizieren, sich akzeptiert fühlen und gern zur Arbeit geben, umso besser arbeiten sie auch. Immer mehr Kunden und Geschäftspartner registrieren sehr genau, für welche Werte ein Unternehmen steht und wie glaubwürdig es sich dafür einsetzt. Aber es geht auch um gesellschaftliche Verantwortung und ein Klima, das Vielfalt als Bereicherung erkennt und wertschätzt. Respekt ist die Formel für gutes gemeinschaftliches Zusammenleben, das allen ein offenes und angstfreies Leben möglich macht. Davon profitieren wir alle.

    * nicht-binär = Menschen, die sich weder als Mann noch als Frau definieren
    **cisgeschlechtlich = man identifiziert sich mit dem bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht
    *** queer = nicht heterosexuelle oder cisgeschlechtliche Menschen

Feedback Zurück nach Oben
Dieses Feld muss ausgefüllt sein. (< 1500 Zeichen)

Für konkrete Fragen oder Anliegen nutzen Sie bitte unser Kontaktformular.

Ihre Nachricht wird gesendet