Osteoporose erkennen und vorbeugen
16.10.2026 • 7 Minuten Lesedauer
Knochenschwund bleibt oft lange Zeit unbemerkt. Erfahren Sie mehr über Risiken, Diagnose und Prävention.
Einmal kurz gestolpert, ein harmlos wirkender Sturz und plötzlich ist ein Knochen gebrochen. Hinter solchen Brüchen kann Osteoporose (auch Knochenschwund genannt) stecken: eine Erkrankung, die Menschen in verschiedenen Altersgruppen betrifft und oft zu spät erkannt wird.
Was ist Osteoporose?
Bei Osteoporose nimmt die Knochendichte ab, die Knochen werden instabiler und brechen leichter. Im späteren Verlauf können Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkungen hinzukommen.
Unser Knochengewebe ist kein starres Material, sondern wird ständig auf- und abgebaut. Bei gesunden Menschen besteht dabei ein Gleichgewicht zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau. Dieses Gleichgewicht ist bei Osteoporose gestört: Es wird auf Dauer mehr Knochenmasse abgebaut als neu gebildet. Dadurch werden die Knochen poröser und brechen leichter.
Welche Symptome verursacht Osteoporose?
Oft bleibt die Erkrankung lange unentdeckt, weil sie zunächst keine Beschwerden verursacht. Viele Betroffene erhalten die Diagnose erst nach einem Knochenbruch. In manchen Fällen zeigt sich Osteoporose auch durch sichtbare Veränderungen. So kann die Wirbelsäule zusammensinken, wodurch Betroffene kleiner werden. In einem fortgeschrittenen Stadium können sich eine nach vorn gebeugte Haltung oder ein Rundrücken entwickeln. Dafür verantwortlich sind Brüche an den Wirbelkörpern – die Wirbelsäule verliert an Stabilität und verkürzt sich. osteoporosebedingte Brüche treten häufig an der Wirbelsäule, an den Handgelenken, den Oberarmen, am Becken oder an der Hüfte auf. Vor allem ein Oberschenkelhalsbruch kann schwerwiegende Folgen haben.
Wer ist betroffen?
Dabei erkranken Frauen deutlich öfter als Männer. Betroffen sind 6,5 Prozent der Frauen und 1,4 Prozent der Männer. Vor dem 45. Lebensjahr ist das Risiko bei beiden Geschlechtern niedrig. Danach steigt es mit dem Alter an, besonders bei Frauen nach den Wechseljahren. Von den Frauen zwischen 85 und 89 Jahren ist in Deutschland mehr als jede Vierte betroffen.
Was sind die Ursachen?
Osteoporose entsteht, wenn über längere Zeit mehr Knochenmasse abgebaut als aufgebaut wird. Es wird zwischen primärer und sekundärer Osteoporose unterschieden. Die primäre Form ist häufiger und entsteht vor allem im Alter oder durch hormonelle Veränderungen, insbesondere nach den Wechseljahren. Von sekundärer Osteoporose spricht man, wenn der Knochenschwund durch andere Erkrankungen oder Medikamente verursacht wird.
Die wichtigste Phase des Knochenaufbaus liegt im Kindes- und Jugendalter. Ab etwa dem 30. Lebensjahr nimmt die Knochenmasse allmählich ab. Das Hormon Östrogen schützt die Knochen. Sinkt der Hormonspiegel in den Wechseljahren, kann sich der Knochenabbau beschleunigen. Weitere Risikofaktoren sind Untergewicht, Essstörungen, geringe Muskelmasse sowie ein Mangel an Vitamin D, Eiweiß oder Kalzium. Auch erbliche Veranlagung, höheres Alter, Bewegungsmangel, Rauchen, regelmäßiger Alkoholkonsum sowie bestimmte Erkrankungen und Medikamente erhöhen das Risiko.
Wie wird Osteoporose diagnostiziert?
Es ist wichtig, Osteoporose so früh wie möglich zu diagnostizieren und zu behandeln, damit es erst gar nicht zu Knochenbrüchen kommt.
Dabei kommt meist ein spezielles Röntgenverfahren zum Einsatz, die sogenannt DXA-Messung. Wenn bereits der Verdacht auf Wirbelkörperbrüche besteht, können zusätzlich bildgebende Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen notwendig sein. Bei verminderter Knochendichte wird außerdem eine Blutanalyse durchgeführt, um andere Ursachen auszuschließen.
Eine Untersuchung ist besonders sinnvoll für Menschen, die bereits Wirbelkörper- oder Hüftfrakturen hatten oder nach dem 50. Lebensjahr einen Knochenbruch erlitten haben. Auch eine längerfristige Einnahme von Glucocorticoiden, Diabetes mellitus, chronische Herz- oder Nierenerkrankungen sowie Erkrankungen oder Medikamente, die das Sturzrisiko erhöhen, sprechen für eine Diagnostik.
Wie wird Osteoporose behandelt?
Schon einfache Gewohnheiten im Alltag können die Knochen stärken. Eine ausgewogene Ernährung ist dabei besonders wichtig, ebenso regelmäßige Bewegung, weil sie Knochen und Muskeln stärkt und das Gleichgewicht verbessert. Gut geeignet sind zum Beispiel Spaziergänge oder Gymnastik. Rehabilitationssport und Funktionstraining können ebenso dazu beitragen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Um Knochenbrüche zu vermeiden, ist eine gute Sturzvorbeugung wichtig, etwa durch das Entfernen von Stolperfallen in der Wohnung.
Zur Behandlung gehört nicht nur, die Knochen zu stärken, sondern auch die Folgen der Erkrankung zu lindern. Bei Schmerzen oder Knochenbrüchen helfen Schmerztherapie, Physiotherapie und Rehabilitationsmaßnahmen. Ziel ist es, die Beweglichkeit möglichst zu erhalten, weitere Stürze zu vermeiden und die Selbstständigkeit im Alltag zu sichern. Osteoporose kann auch mit Medikamenten behandelt werden
Wie kann man Osteoporose am besten vorbeugen?
Gute Vorbeugung beginnt früh: Je mehr Knochenmasse in jungen Jahren aufgebaut wird, desto besser. Eine knochenbewusste Ernährung ist reich an Kalzium und Vitamin D. Milchprodukte wie Hartkäse, kalziumreiches Mineralwasser, Sesam, Chiasamen und grünes Gemüse sind gute Kalziumlieferanten. Vitamin D bildet der Körper mithilfe von Sonnenlicht selbst. Da nur wenige Lebensmittel Vitamin D enthalten, kann bei Bedarf ein Vitamin-D-Präparat sinnvoll sein.
Neben einer ausgewogenen Ernährung spielt auch regelmäßige Bewegung in jedem Lebensalter eine wichtige Rolle. Körperliche Aktivität hilft dabei, die Muskeln zu stärken und die Knochen ausreichend zu belasten. Geeignet sind zum Beispiel Laufen, Wandern, Gymnastik, Tanzen oder moderates Krafttraining. Schon 30 bis 60 Minuten Bewegung pro Tag können Muskeln und Knochen stärken. Hormonpräparate können das Risiko für Knochenbrüche senken. Ob eine Behandlung mit Östrogenen infrage kommt, sollte ärztlich abgeklärt werden.
Fazit: Vorbeugen ist die beste Medizin
Osteoporose wird noch immer unterschätzt und häufig zu spät erkannt. Dabei können Sie einiges tun, um die Knochen zu stärken, Brüche zu vermeiden und die Lebensqualität zu erhalten. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und eine frühe Diagnose spielen dabei eine wichtige Rolle. Wenn es bei Ihnen Risikofaktoren gibt oder Sie bereits Knochenbrüche erlitten haben, sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen. Denn je früher Osteoporose erkannt und behandelt wird, desto besser.