Rejection Therapy – Fragen kostet nichts
17.09.2026 • 7 Minuten Lesedauer
Rejection Therapy ist ein Trend auf Social-Media. Doch hilft bewusste Zurückweisung wirklich gegen die Angst vor Ablehnung?
17.09.2026 • 7 Minuten Lesedauer
Rejection Therapy ist ein Trend auf Social-Media. Doch hilft bewusste Zurückweisung wirklich gegen die Angst vor Ablehnung?
Eine junge Frau steigt in die Straßenbahn und fragt, ob sie mal fahren dürfte. Und zwar als Fahrerin. Der Straßenbahnfahrer lacht und erklärt freundlich, warum das nicht geht. Eine andere Frau fragt zwei Polizisten, ob sie Hilfe beim Fangen von Kriminellen gebrauchen könnten. Die beiden Polizisten lehnen ab.
Bei TikTok oder Instagram finden sich viele Videos zur Rejection Therapy (zu Deutsch: Ablehnungstherapie). Darin versuchen mehrheitlich junge Menschen, mit absurden Fragen absichtlich eine Absage von Fremden zu bekommen. Das soll helfen, die Angst vor Ablehnung zu überwinden. Mit der Angst vor Ablehnung ist die Sorge gemeint, von anderen zurückgewiesen, kritisiert oder negativ bewertet zu werden. Rejection Therapy ist eine Selbsthilfemethode, bei der sich Menschen bewusst Situationen aussetzen, in denen sie möglicherweise abgelehnt werden. Ziel ist es, ihre Angst vor Zurückweisung zu verringern. Doch kann das funktionieren?
Der kanadische Unternehmer Jason Comely entwickelte eine sogenannte „Challenge“, um besser mit Zurückweisung klarzukommen. 30 Tage lang legte er es darauf an, jeden Tag einmal ein Nein zu hören. Damit wollte er eine Resilienz gegen Ablehnung aufbauen. Er entwarf Challenges und stellte sie auf seine Website. Der Amerikaner namens Jia Jiang probierte diese ebenfalls aus und war überzeugt davon. Er hat das Konzept bekannt gemacht. Auf TikTok gibt es inzwischen über 27 Millionen Videos dazu.
Trotz “Therapy” im Namen handelt es sich bei der Rejection Therapy also nicht um eine Therapie im klassischen Sinne.
Viele Menschen trauen sich etwas nicht, weil sie Angst haben, von anderen abgelehnt zu werden. Die Idee der Rejection Therapy ist es, sich bewusst der Ablehnung zu stellen, um die Angst davor zu verlieren. Attraktiv wirkt Rejection Therapy auch deshalb, weil sie ein einfaches Versprechen macht: Wer sich einem möglichen Nein immer wieder stellt, wird mutiger und lässt sich im Alltag weniger durch Angst vor Ablehnung bremsen.
Das Ganze ist aber in erster Linie ein Trend. Zur Wirksamkeit der Rejection Therapy gibt es bislang keine belastbare wissenschaftliche Forschung. Gut untersucht ist dagegen die klassische Konfrontationstherapie. Menschen mit Angst- oder Panikstörungen kann es helfen, wenn sie sich an Situationen, vor denen sie sich fürchten, gewöhnen. Das geschieht, wenn die Konfrontation gezielt wiederholt wird.
Eine Konfrontationstherapie findet meist im Rahmen einer professionellen Psychotherapie statt.
Menschen fürchten sich vor Ablehnung, weil Zugehörigkeit zu anderen ein grundlegendes menschliches Bedürfnis ist. Wird diese Zugehörigkeit bedroht, löst das oft Angst und starken emotionalen Stress aus, weil soziale Ausgrenzung als Trennung von wichtigen Bindungen erlebt wird. Aus psychologischer Sicht kann schon die Vorstellung, zurückgewiesen zu werden, belastend sein, weshalb viele Menschen versuchen, Ablehnung zu vermeiden.
Rejection Therapy kann keine Psychotherapie ersetzen. Für Menschen mit sozialen Ängsten oder sehr starker Angst vor Ablehnung ist meist professionelle Hilfe nötig, um die Ursachen der Ängste zu verstehen und daran zu arbeiten. Wer mutiger werden will oder sich im Alltag mehr trauen möchte, kann die Rejection Therapy ausprobieren. Gut zu wissen: Die Ablehnung von Fremden kommt nicht der eines Familienmitglieds oder einer Person aus dem engen Freundeskreis gleich. Sie können auch andere Selbsthilfestrategien, wie zum Beispiel Journaling, mit der Methode zu kombinieren. Hilfreich kann sein, die Erfahrung im Nachhinein zu reflektieren:
So lässt sich das Geschehene besser verstehen. Wichtig ist, die Grenzen anderer zu respektieren und niemanden in unangenehme Situationen zu bringen. Die Challenge sollte nicht auf Kosten anderer gehen oder dazu führen, dass sich jemand belästigt fühlt.
Die Rejection Therapy ist eine Mutprobe für den Alltag. Sie ersetzt keine psychotherapeutische Hilfe, kann Sie aber dabei unterstützen, die Komfortzone zu verlassen. Wer sich Videos der Challenge auf Social Media ansieht, bemerkt schnell, dass die Beteiligten oft gar keine Ablehnung bekommen. Manche Teilnehmenden berichten, dass sie durch die Rejection Therapy neue Erfahrungen sammeln durften und sogar Freundschaften geknüpft haben. Es geht darum, sich zu überwinden und andere direkt nach dem zu fragen, was man möchte. Im Alltag könnte das zum Beispiel bedeuten, jemanden auf einen Kaffee einzuladen, um einen Rabatt zu bitten oder zu fragen, ob man sich bei einer Gruppe dazusetzen darf.
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