Mehr als 125 Jahre KKH: Ein Rückblick

Während Bismarck soeben zum neuen Ministerpräsidenten von Preußen gewählt worden ist, und in London eine Weltausstellung stattfindet, sitzt am 19. Oktober 1862 ein gutes Dutzend kaufmännischer Angestellte in Halle an der Saale zusammen und diskutiert über die ungewisse Zukunft:

Diese geschlossene Gesellschaft 14 junger Herren kommt auf die Idee, ihre Geschichte selbst in die Hand zu nehmen. Mit dem Ziel, die Geselligkeit zu pflegen und einen Fonds zu bilden, der unverschuldet in Not geratenen Mitgliedern Hilfe anbietet, gründen sie den Kaufmännischen Verein zu Halle. Hierbei steht insbesondere die Unterstützung bei Krankheit im Vordergrund, die mit bis zu 10 Taler monatlich für maximal 6 Monate gefördert wird. In dieser Zeit ist 1 Taler drei Mark wert und 1 Kilo Kartoffeln kostet 0,07 Mark.

Dieser bemerkenswerte Gemeinsinn und der solidarische Gedanke führen 1888 zur Überlegung, eine Krankenkasse zu schaffen. Zwei Jahre und viele Diskussionen später beschließt der Vorstand des Kaufmännischen Vereins am 10. März 1890 die Gründung der „Kranken- und Begräbniskasse des Kaufmännischen Vereins zu Halle/Saale“. Sie bekommt den Status einer eingeschriebenen Hilfskasse (später dann Ersatzkasse) mit Verwaltungssitz in Halle, Henriettenstraße 17. Alle Beamten und Lehrlinge mit Wohnsitz in Deutschland und einer Tätigkeit in kaufmännischen, Apotheker- und verwandten Berufen können der Hilfskasse beitreten.

Die Wohltat soll nicht nur den Mitgliedern des Kaufmännischen-Vereins zu Gute kommen (…) Die Statuten sind so aufgemacht, dass alle bisherigen Erfahrungen (…) zum Ausdruck gebracht sind und es wird sowohl den Herren Prinzipalen und den Lehrlingen wie Herrn Commis von großen Nutzen sein, die Versicherungs-Gelegenheit zu nutzen.

Zu Beginn zählt die Hilfskasse 80 Mitglieder, nach zwei Jahren bereits über 500. Damit ist der Grundstein für die KKH gelegt, die heute als eine der großen Krankenkassen in Deutschland 1,7 Millionen Versicherte betreut.

Klicken Sie sich durch mehr als 125 Jahre KKH Geschichte

19.10.1862 – Die Grundidee

14 Kaufleute bildeten den kaufmännischen Verein zu Halle. Ziele waren Pflege der Geselligkeit, Wissensaustausch, Stellenvermittlung und die Bildung eines Fonds für in notgeratende Mitglieder insbesondere durch Krankheit

1883 – Gesetz zur Krankenversicherung

Bismarck erlässt das Gesetz zur Krankenversicherung für Arbeiter

10.03.1890 – Gründung der heutigen KKH

Gemeinsinn, Solidarität und der Wunsch sich gegenseitig Sicherheit zu bieten, führte zur Gründung der „Kranken- und Begräbniskasse des Kaufmännischen Vereins zu Halle (Saale)“

02.01.1891 – 1. Geschäftsstelle

Eröffnung der ersten Geschäftsstelle in Halle/Saale, Henriettenstraße 17

21.08.1893 – Eingeschriebene Hilfskasse

Eintragung als „Eingeschriebene Hilfskasse“, die neben den gesetzlichen (staatlichen) Kassen ihre Arbeit aufnahm.

31.12.1913 – Zulassung

Zulassung der Kranken- und Begräbniskasse des Kaufmännischen Vereins zu Halle (Saale) als Ersatzkasse (VVaG)

1914 bis 1918 – 1. Weltkrieg

Durch den Ersten Weltkrieg verlor die Kasse ein Drittel ihrer Mitglieder

1928 – Wiederaufbau

Aufbau von Strukturen in Berlin, Stuttgart und München

Ab 1933 – Nationalsozialismus

Nach dem sog. Ermächtigungsgesetz Hitlers werden die Selbstverwaltungen der Kassen durch staatliche Leiter ersetzt.

Mit der NS-Herrschaft dringt eine menschenverachtende Ideologie immer stärker auch in die Gesundheitspolitik: Es gibt Gesetze zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“; die Zusammenarbeit mit jüdischen Ärzten wird ausgeschlossen, „Nichtarier“ genießen keinen Versicherungsschutz mehr; die Krankenkassen werden zu Handlangern dieser Politik.

01.04.1934 – Umzug nach Berlin

Die KKH verlegt Ihren Sitz von Halle (Saale) nach Berlin.

Ab 1945 – Umzug nach Hannover

Unter Anderem durch den Verlust der Niederlassungen in den Ostgebieten und Mitteldeutschlands verlor die KKH über zwei Drittel ihrer Mitglieder, die Kasse zählt nur noch 89.000 Mitglieder. In der russisch besetzten Zone wurde eine Einheitsversicherung verordnet. Der Hauptsitz der KKH wurde nach Hannover verlegt.

16.05.1953 – Selbstverwaltung

Erste Wahlen zur Selbstverwaltung in der Sozialversicherung.

03.09.1953 – Einführung von Sozialgerichten

Einführung der Sozialgerichtsbarkeit und Errichtung von Sozial- und Landessozialgerichten sowie des Bundessozialgerichts.

1958 – Wiederzulassung West-Berlin

Wiederzulassung der Ersatzkassen in West-Berlin

1960 – Wiederzulassung im Saarland

Wiederzulassung der Ersatzkassen im Saarland

1975 – Namensänderung

Der relativ lange Kassenname Kaufmännische Krankenkasse Halle wird verkürzt in Kaufmännische Krankenkasse. Die Kurzbezeichnung KKH bleibt bestehen.

1979 – 1.000.000 Versicherte

Die Zahl der Versicherten überschreitet erstmals die 1 Million-Grenze

19.08.1983 – Markenschutz

Das Deutsche Patentamt hat am 19.08.1983 beurkundet, dass die Kurzbezeichnung „KKH“ für die Kaufmännische Krankenkasse rückwirkend, und zwar mit Wirkung ab 23.08.1979, gesetzlich geschützt ist

1990 – 1.000.000 Mitglieder

Die Zahl der Mitglieder überschreitet die Grenze von einer Million. Die Kasse feiert ihr 100 jähriges Bestehen

1991 – Wiedervereinigung

Jahr der Deutschen Einheit und Rückkehr in die neuen Länder, die KKH gewinnt fast eine halbe Million neuer Mitglieder in der ehemaligen DDR

1994 – Pflegeversicherung

Einführung der Pflegeversicherung in Deutschland

1996 – Freies Kassenwahlrecht

Einführung der Wahlfreiheit für alle GKV-Mitglieder (freies Kassenwahlrecht)

2002 – Euro-Einführung

Der Euro löst in Deutschland die D-Mark ab

2009 – Aus KKH wird KKH-Allianz

Fusion der KKH mit der BKK Allianz und mit der Metro/Kaufhof BKK; der Name wird in KKH-Allianz geändert.

Einführung des Gesundheitsfonds und des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) in der GKV.

2012 – KKH MeinPLUS

Die Kooperation mit der Allianz wird beendet – der Name ist jetzt wieder KKH Kaufmännische Krankenkasse. Von 2012 bis 2018 vermittelt die KKH unter der erfolgreichen Eigenmarke KKH MeinPLUS Krankenzusatzversicherungen.

10.03.2015 – 125. Jubiläum

Die KKH feiert ihr 125-jähriges Bestehen.

 

KKH von damals bis heute