Kleines Tier mit großem Risikopotenzial

Werden die Temperaturen milder, sind auch die Zecken wieder aktiv. Stechen die winzigen Blutsauger zu, können sie gefährliche Krankheiten wie Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Zecken, die den Borreliose-Erreger in sich haben, kommen deutschlandweit vor. FSME-Risikogebiete sind vor allem Bayern und Baden-Württemberg, Südhessen und das südöstliche Thüringen. Das belegt auch eine Auswertung der KKH Kaufmännische Krankenkasse: Diese registrierte im ersten Halbjahr 2017 bundesweit 117 FSME-Fälle, davon allein 42 in Baden-Württemberg und 25 in Bayern. An Borreliose erkrankten im selben Zeitraum 854 KKH-Versicherte, davon ebenfalls die meisten im Süden: 145 in Bayern und 129 in Baden-Württemberg. Somit kam im ersten Halbjahr 2017 ein Krankheitsfall auf rund 1.750 Versicherte.

Das Tückische: Gegen Borreliose kann man sich nicht impfen lassen. Zur Vorbeugung helfen nur lange Kleidung und Zeckenschutzmittel. Wer dennoch von einer Zecke gestochen wird und einige Tage bis Wochen danach rund um die Einstichstelle eine ringförmige Rötung beobachtet, sich außerdem abgeschlagen fühlt, Fieber und Kopfschmerzen bekommt, sollte einen Arzt aufsuchen. Da die Borreliose durch Bakterien übertragen wird, lässt sie sich vor allem im Frühstadium gut antibiotisch behandeln. Schreitet die Krankheit unerkannt fort, kann es zu starken Schmerzen über Herzprobleme bis hin zu einer Gehirnhautentzündung kommen.

Auch eine FSME beginnt häufig mit grippeähnlichen Symptomen. Sie wird durch einen Virus übertragen und kann ebenfalls zu einer Gehirnhautentzündung führen. Da es gegen diese Krankheit kein wirksames Medikament gibt, bietet hier die gut verträgliche FSME-Impfung den einzigen Schutz. Sie wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen und beim Hausarzt durchgeführt. Versicherten, die innerhalb der Risikogebiete in Deutschland leben oder dorthin reisen, entstehen keine Kosten. Im ersten Halbjahr 2017 hatten sich bundesweit rund 39.500 KKH-Versicherte gegen FSME impfen lassen, also rund zwei Prozent. Laut Robert Koch-Institut könnte aber ein großer Anteil der Erkrankungen durch eine Steigerung der Impfquoten insbesondere in den Risikogebieten verhindert werden.

„Wer von einer Zecke gestochen wird, sollte jedoch Ruhe bewahren“, rät Christian Klameth vom KKH-Serviceteam in Braunschweig. „Denn nicht jede Zecke ist infiziert, auch wenn das manch einer annimmt.“ Weitere Irrtümer rund um die Spinnentiere:

Zecken lassen sich von Bäumen fallen
Falsch! Zecken lauern an Gräsern, Zweigen von Sträuchern oder auch im Unterholz auf Wirte. Gehen Menschen oder Tiere vorbei, lassen sich die Krabbeltiere abstreifen.

Zecken sind nur im Sommer aktiv
Stimmt nicht! Bereits ab etwa sieben Grad Celsius ist mit den kleinen Blutsaugern zu rechnen.

Zecken mit Klebstoff oder Öl entfernen
Auf keinen Fall! Mögliche Folge: Die Zecke erbricht im Todeskampf ihren Darminhalt und damit Krankheitserreger in die Wunde, was zu einer Infektion führen kann. Bewährt hat sich, die Zecke mit einer Pinzette oder Zeckenkarte dicht an der Haut zu greifen, nicht zu quetschen, und behutsam herauszuziehen (nicht drehen). Anschließend die Wunde desinfizieren. Wer unsicher ist, ob die Zecke komplett entfernt ist, sollte zum Arzt gehen.

Hinweis für die Redaktionen: Nach Bundesländern aufgelistete Borreliose- und FSME-Fälle bei KKH-Versicherten im 1. Hbj. 2017 finden Sie unten. 

Die KKH Kaufmännische Krankenkasse ist eine der größten bundesweiten gesetzlichen Krankenkassen mit 1,7 Millionen Versicherten. Nähere Informationen erhalten Sie unter www.kkh.de/presse/portrait.

Tabelle zu Borreliose- und FSME-Fällen 2017

KKH-Versichertendaten Borreliose FSME 1.Hbj. 2017
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